Sonntag, 18. April 2010
Kontakt
Ich habe es schon immer gewusst.
Hitchcocks Duschvorhangsszene ist eigentlich als Metapher gemeint. Denn es ist nicht der Psycho mit dem Messer, von dem die Bedrohung ausgeht.
Oh nein.

In unserer neuen WG-Wohnung haben wir nun endlich eine Wanne. Bissl klein für die Menge Mensch, die man inzwischen geworden ist, aber es ist eine Wanne. Immerhin. Dafür fehlt die Duschkabine, zumindest eine separate, mit Tür und so. Also haben wir einen Duschvorhang installiert, mit Spannstab von Wand zu Wand.
Und einem netten Muster drauf.
Keinem chinesischen, obwohl er aus China kommt. Naja.

Wir duschen schon immer mit Köpfchen, nämlich mit einem ganz besonderen. Bei einer bestimmten Einstellung zieht dieser Duschkopf auch Luft, und das muss so sein. Dann wird der Duschsstrahl zu einem feinen aber immer noch kraftvollen heißen Nebel – wenn man denn heißes Wasser eingestellt hat.
Dann passiert es.

Wenn man wie ich mit dem Rücken zum Vorhang duscht (über die Gründe habe ich noch gar nicht nachgedacht), dann spürt man als erstes einen leichten Luftzug. Während ich überlege, welche Tür nun wieder geöffnet ist, verdichtet sich der Luftzug zu einer plötzlichen Berührung.
Da ich nicht sofort einordnen kann, was das ist, durchzuckt es mich wie ein Schlag. Erst beim zweiten Mal realisiere ich, dass es der Vorhang ist, der nun nicht mehr geradeaus nach unten hängt. Statt dessen macht er Anstalten, sich in voller Breite auf meinen Rücken zuzubewegen, beziehungweise auf das, was südlich davon liegt.
Und es ist erstaunlich, wie beharrlich er diese aufdringliche Form des Eigenlebens durchzieht. Da nutzt es nichts, wenn man ihn immer wieder zurückschiebt. Ihn quasi an die Wanne klebt, den Rand beschwert oder sich – soweit es geht – dünn macht.

Inzwischen haben wir den Vorhang einfach etwas weiter weg montiert. Jetzt bewegt er sich zwar noch, aber es reicht nicht mehr für eine Berührung.
Irgendwann gibt er es dann auch auf, sich gegen die Distanz zu wehren. Und ab und an, wenn ich die Dusche ausmache und ganz still bin, höre ich ihn leise seufzen.
Ich schwör's!

***

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Samstag, 9. Januar 2010
1-2-3-4 ...mir
Zwischenstopp im verschneiten Berlin und endlich wieder etwas Zeit für den Patensohn. Ein echter Wonneproppen, Denkerstirn und Schmunzelgrübchen, pflegeleicht und herzerwärmend. Bei den tollen Eltern auch kein Wunder. :o)
Also muss der Patenonkel schon mal ein bisschen das Fenster zur bösen und gnadenlosen Welt öffnen. Was liegt da näher, als dazu den harten Verdrängungswettbewerb auf der größten Internet-Versteigerungsplattform zu demonstrieren. Also hab ich dem Kleinen das alles fix erklärt, natürlich mit pädagogisch wertvollem Gutmenschenpathos.
Und was soll ich sagen … nach ner halben Stunde war der Kleine so fit, dass er jeden Bot geschlagen hat, schneller als das schnellste Skript, zugeschlagen in der letzten hundertstel Sekunde. Die stolze Mutter hat noch schnell ein Foto vom letzten Zuschlag geschossen.



Ein Phantombild, sozusagen ...

Ich weiß gar nicht mehr, was der Kleine unbeeindruckt von all unsren erhobenen Zeigefingern so alles ersteigert hat.
Mal sehn, was vom Mutterstolz übrigbleibt, nachdem der Postmann 10mal geklingelt hat … :o)

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Sonntag, 27. Dezember 2009
Verko(r)kst
Jeder hat es schon einmal gesehen. Eine Linie weißen Pulvers, säuberlich auf einen kleinen Spiegel gezogen. Eine 100-Dollar-Note wird zusammengerollt, ein Ende in die Nase gesteckt, das andere Ende über die Linie aus Schnee gehalten. Dann wird richtig eingeatmet, und schwupps, ist der Spiegel wieder sauber. Und wenn man alles richtig gemacht hat, dann legen sich im Hirn einige Kontakte um und man fliegt, schwebt, fällt, schwimmt, taucht – was auch immer. Wenn man es richtig macht.

Und genau damit hat jemand offensichtlich ein Problem. Nämlich die Bahn. Genauer, die ICE-Züge der Bahn.
Wer Weihnachten die Bahn nutzen wollte, musste sich erst einmal durch Ersatzfahrpläne durcharbeiten, um schließlich festzustellen, dass sein Lieblingszug gestrichen wurde. Also umdisponieren und hoffen, dass nicht halb Deutschland dann genau den noch verbliebenen ICE nehmen wird. Die Bahn hat ein wenig herumgedruckst, den Ausfall im Detail zu begründen. Aber letzten Endes rückte man mit der wirklichen Erklärung heraus. Nicht die Kälte an sich hätte dazu geführt, dass die ICEs reihenweise in den Lokschuppen eingeliefert werden mussten. (Schlimm genug, dass man bei der Konstruktion der ICEs den Klimawandel missverstanden und außerdem schon etwas vorgezogen hatte. So schaun die Bahnbeamten jetzt ratlos auf das Thermometer und wundern sich, wieso es im Winter friert. Mitten in Deutschland.) Nein, das wirkliche Problem war diffiziler. Im Wortlaut der Bahnleute hört es sich so an: Die Züge zögen sich durch ihre Lüftungsschlitze soviel Pulverschnee rein, dass dies schließlich zu Störungen an der Bordelektronik geführt hätte.
Na? Klingelt’s? Genau. Hier will einer und kann nicht. Hier sind die Lines zu lang gezogen, der Schnee ist von der falschen Sorte, er wird zu gierig durch die Lüftungsschlitze eingesogen oder was auch immer. Jedenfalls scheinen sich dann die falschen Kontakte umzulegen, und statt zu gleiten oder zu fliegen bleiben die verschnupften ICEs einfach stehen.

Man darf gespannt sein, wie die Bahn dieses Problem lösen wird. Der Spezialist für ein mögliches Mehtadorn-Programm ist ja gegangen. Auch an den Dealer ist sehr schwer heranzukommen, seit Kopenhagen offensichtlich noch ein bissl schwerer. So wird der Bahn nichts weiter übrigbleiben, als die betroffenen Züge wieder auf die Straße, also auf die Schiene zu schicken - in der Hoffnung, dass nur gesunde und legale Dinge in die Lüftungsschlitze geraten. Das Bordpersonal kriegt einen Streetworker-, ähm, Railworker-Crashkurs und die Schneeräumer der Bahn werden von den einschlägigen Spezialisten der Polizei unterstützt.
Aber vielleicht kriegen die ICEs auch bald das Gefühl für die richtige Dosis, und statt stehen zu bleiben, wird abgehoben. Eine völlig neue Perspektive für die Bahn, schwere Zeiten für die Lufthansa.
Schaun wir mal.

Bis dahin schöne Feiertage und einen guten Rutsch an alle Blogger, Blogleser und an eine sehr spezielle Blogleserin (ich weiß, das ist jetzt ein ganz hinterhältiger Test :o)).

Und natürlich schön viel Schnee für alle! :o)

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Samstag, 3. Oktober 2009
Sturm
Wir machen einen Ausflug. Aber wir fliegen nicht. Sondern fahren, mit der Bahn. Wieder mal. Und wir haben Geburtstag. Natürlich nicht wir alle, trotz des 3.Oktober, aber das ist ein anderes Thema. Geburtstag hat eine 80jährige Mitfahrerin, was wiederum ihre auch nicht jüngeren Mitfahrer und Mitfahrerinnen lautstark und herzlich feiern. Mit rotem und weißem Wein, aus Pappbechern. Man passt netterweise aufeinander auf. „Nimm mal zwei Pappbecher ineinander, dann fällt dir der Wein nicht aus der Hand!“ „Trink’ lieber vom lieblichen, du weißt, der saure schlägt dir gleich auf den Magen!“ Und so. Zur Untermalung läuft auf einem seniorengerechten Handy richtig laut „Hoch soll sie leben!“, allerdings eine ziemlich aktuelle Fassung, bissl Techno, bissl House, oder so. Nach den ersten ein, zwei Bechern wird die Stimmung noch lockerer. „Jetzt müssen wir uns duzen, oder?“ „Knutscht euch, knutscht euch!“ „Wer hat eigentlich den Cognac mit?“ „Den gibt’s erst heute abend, jetzt muss der Jägermeister reichen ...“
Ich hoffe, ich bin mit 80, falls ich so alt werde, auch noch so gut drauf.
Wenigstens ab und an.
Schaun wir mal.
Die feiernde Truppe steigt in Züssow aus und will noch nach Ahlbeck. Wir fahren weiter nach Stralsund, zum 70. Geburtstag meines Vaters. Auf dem Geschenketisch liegt ein echtes dänisches Sturmglas, und das bekommt gleich richtig zu tun: Morgen gibt’s Windstärke 11 hier im Norden. Aber Sturm im Norden ist für mich ein Teil von zu Hause, also genieße ich ihn, zumindest die paar Stunden, die ich wieder mal hier oben bin!
Prost Papa!
Darauf, dass wir auch zu deinem 80. uns noch den Cognac schmecken lassen, während Mutti Modenschau macht ... ;o)

PS: Es hat auch wieder Haxe gegeben. Ein Fluch. Bestimmt. :o)

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Dienstag, 15. September 2009
Verflucht
Was der Mond kann, kann ich auch.
Abnehmen.
Sag ich jetzt mal so, als Optimist.
Die Realität gibt mir Recht.
Fast.

Heute abend zum Beispiel. In der Einkaufstasche nach dem Büroschluss etwas Salat, Grapefruitsaft, Brot. Ich sitze in der Straßenbahn. Umsteigen am Bahnhof. Da ich am Salatstand nix Deftiges bekommen habe, schlägt mir der innere Schweinehund vor, am Bahnhof noch eine Grillhaxe zu kaufen. Zum Salat, quasi als Sättigungsbeilage. Ich werde weich und mache einen Deal, mit meinem inneren Schweinehund. Wenn meine Anschlussbahn in weniger als 8 Minuten kommt, gibts keine Haxe.
Der innere Schweinehund nickt großzügig.
Dieser Schweinehund! Denn er weiß wohl genau, was kommt.
Ich steige am Bahnhof aus und sehe meine Anschlussbahn schon stehen. Ha, das sieht nach einem gesunden Abendbrot aus! Ich sprinte (ehrlich) zum anderen Gleis und will einsteigen. Vor meiner Nase geht die Tür zu. Das Drücken des Türöffners erzeugt ein rotes Blinken. Die Tür bleibt zu. Die ersten Wartenden an der Haltestelle schau'n zu mir herüber. Ich blicke abwechselnd auf den rot blinkenden Türöffner, den ich immer wieder drücke, und nach vorn, in Richtung Straßenbahnfahrer. Dann sprinte ich zur nächsten Tür und drücke. Rot. Die Bahn macht aber keine Anstalten, abzufahren. Ich drücke nochmal. Rot. Nochmal. Rot. Ich fange an zu fluchen wie Colin Farrell auf seinem Belgien-Trip. Die Wartenden geben erste Mitleidsbekundungen ab. Und dann fährt sie los, die Bahn. Ohne mich.
Ich schaue auf die Anzeigetafel - noch 15 Minuten bis zur nächsten Bahn. Tja, sagt mein innerer Schweinehund, dann eben Sättigungsbeilage.

Ich schlendere in den Bahnhof, zu meinem Grillstand. Die Verkäuferin erkennt mich schon von weitem. "Zwei Haxen?" fragt sie. Ich will standhaft bleiben (ich schwör's) und nur die Hälfte nehmen. Aber sie kommt mir zuvor. "Es sind die letzten beiden, da haben Sie aber Glück gehabt!" Ich will mit dem Kopf schütteln, aber sie sagt: "Machen wir heut auch billiger!" Ich setze weiter zum Kopfschütteln an. "Es sind nämlich nur zwei kleine." Sagt sie dann. Mein Kopfschütteln bleibt irgendwie im Ansatz stecken ...

Ich hab's versucht. Echt.

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Dienstag, 8. September 2009
Sicher ist sicher
Die große Reptilienshow ist abgebaut, der Messeparkplatz gegenüber von unserem Haus ist wieder leer. Offensichtlich ist auch nicht viel passiert, so katastrophenmäßig. Fehlende Nachbarn schreib' ich jetzt mal der Entmietungstendenz hier im Block zu. Und die Flecken auf dem Parkplatz sind wohl nur vom Öl der Wohnwagen. Auch von entlaufenem Ungetier hat man nichts gehört.
Obwohl - an den Laternenmasten hier vor dem Haus hängt so ein Vermisstenplakat. Da steht zwar "Katze entlaufen", aber das Foto ist recht verschwommen. Mit ein wenig Fantasie könnte es auch ein miauendes Krokodil sein. Im Windschatten zwei, drei dieser schicken kleinen schwarzen Skorpione ...
Ich geh' mal die Haustür abschließen.

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Montag, 7. September 2009
Immer ich
Ich könnte mich schwarzärgern. Hochmotiviert im Zug sitzend, da ich mit meiner kleinen Tochter meinem Geburtstag entgegenfahre, trifft mich die Ahnung wie ein Blitz. Ich habe meine Bahncard vergessen. Ein Blick in die Brieftasche bestätigt meine Vorahnung - das entsprechende Fach ist leer. Eigentlich weiß ich auch, wo sie liegt, nämlich auf meinem Schreibtisch im Büro. Und das auch nur, weil ich zum Wochenende wieder im Büro war und bei der Gelegenheit ein paar Papiere sortiert habe. Damit alles seine Ordnung hat. Ha ha.

Der Schaffner kommt und schaut mich an, während ich mich ihm als quasi Schwarzfahrer förmlich vor die Füße werfe. Dann runzelt er die Stirn und beginnt per Fingertippen und Bildschirmanstarren einen ausführlichen Dialog mit dem DB-Rechenknecht. Was rauskommt ist ein ewig langer Streifen Papier, das Dokument meiner Verfehlung, mit Strafandrohung und Kontodaten für den fälligen Obolus. Na ja, muss ich die Woche mal meinen Dokumentenkoffer zur Bahn schleppen, dann brauch ich statt der 40 Euro wohl nur eine Bearbeitungsgebühr bezahlen, wie hoch die auch immer sein mag. Das wusste selbst der Schaffner nicht.

Und dann geht er weiter. Ohne meinem Gegenüber auch nur einen Blick zu zu werfen. In mir steigt die Wut hoch, während mein Gegenüber lustig losplappert. Er heiße Roland und spare eigentlich bei jeder Fahrt die Fahrkarte. Ab und an schaue der eine oder andere Schaffner schon etwas komisch in seine Richtung, aber er hätte noch nicht ein einziges Mal bezahlen müssen. Und wenn er das Glück habe, dass ihm gegenüber auch noch ein reuiger Sünder sitzt, der der Bahn echt Geld einbringt, dann käme er sowieso immer ungeschoren davon.



Ein Schwarzfahrer. Das letzte Mal ungeschoren ...

Mir reichts. Ich nehme meinen Fotoapparat und mache ein Foto von ihm. Er freut sich, weil er denkt, ich hätte ihn als Berühmtheit erkannt. Immerhin hätte er mal die Hauptrolle in einer Stephen-King-Adaption gespielt und entsprechende Interviews gegeben. Aber das interessiert mich nicht. Ich werde das Foto nächste Woche den Leuten von der Bahn übergeben, vielleicht komme ich glimpflich davon, wenn ich der Bahn eine neue Geldquelle erschließe.
Einen Schwarzfahrer.
Einen echten.

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Sonntag, 30. August 2009
Du Jan - ich Ulrich
Nee, nicht wirklich. Das ist jetzt nur ein Wortspiel, was ich hier unterbringen musste, wegen der Lustigkeit des Blogs, sagt dein Patenonkel. Ist ja schließlich sein Blog, also kann er den Kalauer haben ...
Du kannst mich also nennen wie du willst, später, wenn du mal richtig sprechen kannst. Ich wäre für Erik, toller Name für einen norwegischen Elch, aber eigentlich ist es mir egal.
Hauptsache nicht Olaf - der Name ist bei mir unten durch, seitdem dieser blöde Olaf (ein Schwedenelch, was denn sonst) mit meiner Schwester durchgebrannt ist. So ein Schnösel, wie konnte meine Schwester nur auf den hereinfallen. Er hatte vor ihr angegeben, er sei ein berühmtes Model, dessen Bild quasi an jeder Ecke zu sehen ist. Verschwiegen hat er ihr allerdings, dass er diese komischen Verkehrsschilder meint, die überall herumstehen und hier in Norwegen ziemlich sinnfrei vor uns Elchen warnen sollen. Da sind die Ziegen schlimmer, zumindest für die Autofahrer.
Und wenn ich mir den Elch auf dem Schild richtig ansehe, kann es gar nicht Olaf sein, der trägt nämlich eine Brille, der Olaf. Trotzdem ist Elke mit ihm losgezogen, naja, was soll man von einer Elchkuh auch anderes erwarten ...



Du, Jan - ungedopt und trotzdem satt und glücklich




Ich, Elch - weder Ulrich noch Olaf

Wenn ich in Berlin ankomme, mein lieber Jan, dann wird alles anders. Ich kann dir Geschichten erzählen, da wirst du mit deinen kleinen Ohren schlackern. Und wenn Mama und Papa mal nicht in der Nähe sind, gibt’s noch ein paar echte Männergespräche obendrauf. Hast du beispielsweise gewusst, dass die Elche eine Kreuzung aus Kuh und Bär sind? Na? Siehste mal, sowas erzählt dir zu Hause keiner, da muss erst son Kumpel wie ich aus Norwegen kommen. Übrigens, wär cool, wenn du mir ein schönes Bier kalt stellen lassen würdest. Das norwegische Bier ist genauso schlecht wie teuer. Und auch beim Essen schau‘n wir uns lieber mal bei dir um die Ecke um. Ich hab da schon was für uns gefunden … :o)



Ich lass uns schon mal den Stammtisch reservieren, hehe ...

Wenn du später richtig groß bist, können wir beide zünftig um die Häuser ziehen und ein paar Kühe aufreißen. Denn ich glaube, du hast es faustdick hinter den Ohren. Und wenn deine Mama da ein bissl was von übrig lässt, reicht es für uns beide. Aber bis dahin haben wir zwei noch eine Menge Spaß miteinander. Denn es gibt keinen Elch, der so viele Witze kennt wie ich. Zum Beispiel den vom Elch Olaf, der in der Polarnacht seine Brille verlor und dann eine Ziege ... ähm ... okay, der geht noch nicht. Naja, egal. Mir fällt da sicher noch was Schönes ein. Und wenn nicht, nun ja, dann wird es Zeit, dass du sprechen lernst ... :o)

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Freitag, 28. August 2009
Tierliebe
Kapitel 1

Heute morgen an der Haltestelle. Ich sehe auf dem alten Messeparkplatz gegenüber eine kleine Zeltstadt wachsen. Das tut sie schon seit Tagen. Aber heute früh hat man dann ein Schild angebracht, auf dem gut lesbar steht: „Große Reptilienausstellung“. Oha, zwei Wochen lang eine beachtliche Ansammlung hochgefährlicher Kreaturen in 100 Meter Entfernung zu meiner Haustür. Prima. Einmal nicht aufgepasst, und schwupps wird die WG um zwei, drei Mitbewohner größer, zumindest bis zum ersten Abendessen der neuen Kollegen ...
Ich lasse mir die keimende Unruhe nicht anmerken und lächle über die anzüglichen Witze der Mitwartenden an der Haltestelle. Ich weiß, dass am anderen Ende des Messegeländes ein Zirkus seine Vorstellungen gibt und schlage einen Standorttausch vor. Denn einen Elefanten sähe man rechtzeitig, wenn er die Straße in Richtung Haustür überquert. Und die 4 Stockwerke bis zu unserer Wohnung muss so ein Elefant auch erst mal schaffen. Alle lachen. Ich lächle souverän zurück.
Und dann verliere ich die Kontrolle über mich ...

Kapitel 2

... denn aus den Augenwinkeln sehe ich sie anfliegen:
Eine hinterhältige, gemeine und gemeingefährliche Wespe. In der für Wespen so typischen unbeirrbaren, sturen Art.
Also nach dem Motto, „hier will ich jetzt hin, und wenn dich das ärgert, will ich es um so mehr“.
Mir ist klar, dass ich jetzt nicht hektisch reagieren darf. Also mache ich ganz sanfte, wohl dosierte Bewegungen: innerhalb von Zehntelsekunden durchschneiden alle meine Arme und Hände in einer ausgeklügelten Choreografie die Luft (tja, Frau Cherrybite, hier lüftet sich also das Geheimnis um die Quelle meines legendären Händefuchtelns ... :o)). Parallel dazu mache ich ein paar genau einstudierte Schritte, um die Wespe zu verwirren und ihre Flugbahn umzulenken.
Klappt nicht. Die Mitwartenden sind verwirrt, die Wespe nicht. Sie fliegt mir gegen den Kopf. Irgendwie erwische ich sie mit der vorsichtig heransausenden Handkante und schlage dazu behutsam und kontrolliert mit meiner Tasche um mich. Aber sie verschwindet nicht. Stattdessen setzt sie sich auf den Rand meiner Brille und macht Anstalten, hinter das Brillenglas zu kriechen. In aller Ruhe reiße ich mir die Brille vom Kopf und wedle mal schlappe 400 Euro durch die Luft. Aber die Wespe sitzt nicht mehr auf der Brille. Sie sitzt jetzt über meinem Auge und streift mit ihrem Hinterteil ganz leicht meine Schläfe. Der ideale Platz, an dem man als Wespenallergiker seine persönliche Wespe sitzen haben sollte.
Dann sehe ich die Straßenbahn kommen, etwas verschwommen, weil ich die Brille immer noch in die Luft halte. Und plötzlich ist sie weg, die Wespe. Mit ganz langsamen Schritten springe ich in die Bahn und hoffe, das Vieh bleibt draußen. Tut es auch.
Und ich bin wieder einmal froh, dass ich mich an die guten Ratschläge gehalten habe. Nicht in Panik verfallen. Klar.

Epilog

Ich mag Tiere. Echt.

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Samstag, 8. August 2009
Eis für alle
Draußen gefühlte 52,7 Grad, drin der Tischventilator, dessen Flügel müde durch die trockene Büroluft kreisen. Im Kopf eisige Gedanken, tiefgefrorene Ambivalenzen, kaltgestellte Bilder.
Und der obligatorische Hitzereim. Verbunden mit Grüßen an alle, die schon befürchteten, hier im Blog passiert nun gar nichts mehr. :o)

Kaltgemacht

Er holte Eis für ihren Nabel
und machte es verkehrt.
Er nahm statt Löffel eine Gabel -
die Stimmung war zerstört.

Der Teppich nass, der Nabel warm,
Gefühle abgekühlt.
Sie schälte sich aus seinem Arm,
die Chance - sie war verspielt.

Es knallt die Tür, ein kalter Hauch
strich durch das stille Zimmer.
Die Gabel steckt in seinem Bauch
und bleibt wohl dort, für immer.

Viel Mann, viel Frau, viel nackte Haut
und dann die große Wende:
Das Eis, das zwischen ihnen taut,
ist manchmal auch das Ende.

***

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Samstag, 20. Dezember 2008
Flaschenkinder
Deutschland säuft.
Wir sind nicht nur Papst, gefühlter Fußball- und nicht gefühlter Exportweltmeister, nein, wir hängen auch an der Flasche ...

Inzwischen kennen die Deutschen kaum noch Hemmungen, die Flaschen in Extragröße und für alle sichtbar mit sich herumzuschleppen und sie bei jeder passenden und nicht passenden Gelegenheit zum Munde zu führen. Egal ob Bionade oder Coca Cola, ob Wasser aus der Leitung oder aus dem Supermarkt, ob Schwarzer, Grüner oder gelber Tee, Hauptsache es fließt und befeuchtet die ausgedörrten Stellen in einem drin. Und das müssen bei manchen ganze Wüsten sein, gemessen an den kurzen Zeiträumen, die der Deckel auf der Flasche bleibt.
Manche der ausgedörrten Schlucker schaffen es kaum noch, einen Satz zuende zu bringen, bevor sie schon wieder wie unter einem geheimnisvollen Zwang stehend nach ihrer Flasche greifen. Durch die viele Flüssigkeit ist ein flüssiges Kommunizieren nicht mehr möglich, sozusagen. Andere reden aus genau diesem Grund nur noch in abgehackten kurzen Sätzen - das ermöglicht eine Kommunikation wenigstens auf einem rudimentären Level, ohne gleich das Austrocknen des eigenen Körpers zu riskieren.
Wobei die Säufer immer öfter auf Gesprächspartner treffen, die ihrerseits auch schon an der Flasche hängen. Wenn man jetzt die Befeuchtungsabläufe miteinander synchronisiert kriegt, dann bekommt man sogar das eine oder andere vollständige Gespräch zustande. Immerhin.

Natürlich hat auch die Wirtschaft schon darauf reagiert. Ähnlich wie bei den Handyfächern findet man jetzt an Rucksäcken, Kinderwagen oder ähnlichen Transportmitteln ein eigenes Flaschenfach. Groß genug für die rettenden Liter, gut erreichbar für Notfälle. Bei den Kinderwagen muss man sich allerdings noch entscheiden, für welchen Notfall man eher vorsorgt, für ein vor Hunger schreiendes Kind oder den eigenen fallenden Flüssigkeitspegel. Nach dem akustischen Eindruck aus der letzten Zeit verschieben sich wohl selbst dort gerade die Prioritäten ...

Rätselhaft bleibt, wie es zu diesem ausgeprägten Suchtverhalten gekommen ist. Denn Sucht ist es allemal – man muss nur einmal beobachten, was abgeht, wenn die Flasche zu einem unerwarteten Zeitpunkt leer ist oder der Deckel klemmt oder so etwas in der Art.
Da scheinen solche Erklärungen plausibel, wie beispielsweise die, dass sich immer mehr Leute auf diese Weise das Rauchen abgewöhnen. Dagegen spricht allerdings das niedrige Alter eines großen Teils dieser Flüssigkeitsjunkies. Obwohl - das ist ja inzwischen auch kein Argument mehr.
Gewagtere Theorien verweisen darauf, dass zumindest in Deutschland das Aufkommen dieses Phänomens mit dem Kinostart von „Die Mumie“ zusammenfällt. Nun hat es sicher schon vorher ähnlich trockene, oder besser gesagt dehydrierte Filme gegeben, aber die heutige Jugend ist vielleicht empfänglicher für vermeintliche ernährunspädagogische Hinweise, wenn sie denn auf diesem Wege an sie herangetragen werden.

Die meisten Wissenschaftler halten es jedoch für wahrscheinlich, dass das neue Suchtverhalten wie vieles andere auch Vorbote und zugleich Folge der Klimakatastrophe ist. Möglicherweise dadurch, dass bestimmte mutationsbewirkte Verhaltensänderungen durch einen sich wandelnden gesellschaftlichen Kontext für die gesamte Population zum Ritual werden. Schick ist, was feucht macht. Wer trinkt, bleibt. Oder so. Sinnvoller Weise - wenn man denn den Befürwortern, ähm, den Vertretern der Klimakatastrophenvorhersage folgt.

Aber deren Gegner haben natürlich auch so ihre Theorien. Nach denen ist es zum Beispiel gar nicht ausgeschlossen, dass der Mensch – geschichtlich gesehen - nicht klimakatastrophal in die Wüste unterwegs ist, sonder eher evolutionsbiologisch zurück ins Meer.
Und da sorgt die Natur eben schon ein bissl vor. Immer mehr Feuchtigkeit um einen herum und auch in einem drin. Kommunizieren unter sich wandelnden Bedingungen, hin zur Hydrophonie. Bei den Walen geht das ja schließlich auch.
Interessant wäre sicherlich der Zeitpunkt, ab dem die neue Generation der Flaschenkinder die Flüssigkeit nicht nur in sich hineinschüttet sondern ihr auch den notwendigen Sauerstoff entnimmt.

Spätestens dann sollte man alarmiert sein.
Denn irgendwann als der Letzte da zu stehn, der noch ohne Kiemen herumläuft, wäre für ein künftiges Leben im Meer ziemlich blöd.
Oder?

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Freitag, 12. Dezember 2008
Morgen-rot*
*mit besten Grüßen an Morphine und an Cherrybite :o)

Necrophilie und Blutfetischismus seien auf dem Vormarsch, so eine halbwegs aktuelle Untersuchung (03/07) über Szenetrends unter deutschen Jugendlichen. Blutige Blutleere in düsterem Ambiente also, mag man sich vorstellen. Oder kieferorthopädische Gratwanderungen vom Dunkelwerden "Biss zum Morgengrauen".
Detailanweisungen zur „behutsamen Blutentnahme“ werden genüsslich vom Verfasser zitiert. Selbst wenn man den Verfasser kennt und den Duktus der Aussagen entsprechend herunterrechnet, bleibt genügend Grund zur Sorge um unseren offensichtlich blutdürstenden Nachwuchs.
So scheint es.
Kann aber auch alles ganz anders sein.

Man kann all dies beispielsweise als Vorboten eines rasanten Aufschwungs im Blutbankengeschäft deuten, quasi als Gegenstück zur gegenwärtigen Aushöhlung des internationalen Finanzsystems. (Wobei es mit dem Blick auf das Kreditunwesen schon eine interessante Frage wäre, was passiert, wenn man ein Vakuum nun noch weiter aushöhlt ...)
Möglicherweise also neue Geschäftsmodelle in rot und schwarz. Verträge nicht nur mit Blut besiegeln sondern auch in Blut bezahlen.
Vielleicht ist das alles unter dem düster-nebligen Deckmantel der Necrophilie inzwischen schon so weit gediehen, dass die OPEC sehr bald knietief im eigenen Öl steckenbleiben wird - nix mehr mit schwarzem Gold: Rot ist angesagt. Supertanker stellen ihre Frachten um und die hartgesottenen somalischen Piraten machen einen großen Bogen um die neuen Flüssiggut-Transporte, so als wäre Nosferatu der Steuermann auf jedem dieser Schiffe.


Haufenweise solcher Flaschen im heimischen Plastikmüll sollten zu denken geben ...

Für ein solches Szenario spräche auch, dass die schwarz-rote Szene beispielsweise unter solch verharmlosenden Labels wie „Gothic“ inzwischen nicht nur gut organisiert ist, sondern sich dort auch zunehmend ein Menschenschlag trifft, der sich gerade von dem der Banker deutlich unterscheidet. Aufgeweckte Romantik der Erdmöbelgemeinde statt kollektivem Büroschlaf der BWL-Cracks. Ein warmes Schwarz, das zugleich viel farbenfroher ist, als das nadelgestreifte Anthrazit der Finanzelite. Und alles, was wir so an der Oberfläche des gegenwärtigen Börsenspektakels zu sehen bekommen, ist eigentlich nichts anderes als das Vorspiel eines Machtwechsels. Die Korridore der Macht wandern aus den sterbenden Bürohochhäusern in die von schwarz-rotem Leben erfüllten Keller. Statt Neocons jetzt Necrophilia.
Statt trockenem Papier jetzt feuchte Erde.
Könnte doch sein.
Und wäre tatsächlich mal etwas ganz anderes.

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