Mittwoch, 21. März 2007
Ausflug zum alten Mann
(Vorbemerkung 1: Liebe Kinder, auf dem Mond geht es etwas anders zu als hier beschrieben. In dieser Sache hat euer Lehrer wirklich mal Recht.
Vorbemerkung 2: Liebe Leser, einiges an dem Text erschließt sich nur denen, die die Kühe hier im Blog schon länger kennen. Anderes nur derjenigen, die auf dem Mond neben dem Bären wohnt... :o) )


Das fliegende Etwas wird immer größer. Bald füllt es das ganze Sichtfeld aus und kommt immer noch näher.
Schnell. Bedrohlich. Unerwartet.
Der alte Mann zieht erschrocken den Kopf zurück und reibt sich die Augen. Jetzt kann er das fliegende Etwas auch so sehen, ohne Fernrohr. Und es kommt tatsächlich auf ihn zu.
Der Mann im Mond tritt neben das große Fernrohr und schaut in den dunklen Sternenhimmel, an dem sich - immer größer werdend - eine Art Raumschiff abzeichnete. Langsam senkt es sich dem Mondboden entgegen und setzt mit einem letzten Ruck auf dem Boden auf. Der Alte hält die Luft an. Sekundenlang tut sich nichts, als wäre das Schiff nichts anderes als ein kompliziert geformter großer Stein. Aber dann kommt Bewegung in das Ganze. Wie in Zeitlupe löst sich eine große Klappe aus der Schiffswand und senkt sich nach unten. Gleißendes Licht strahlt aus dem Schiffsinneren, der alte Mann hebt schützend seine Hand vor die Augen und versucht, zwischen seinen Finger hindurch etwas zu erkennen. Schemenhaft werden große dunkle Gestalten vor dem hellen Hintergrund sichtbar, irgendwie unförmig, und schnell in seine Richtung kommend. Die größte von ihnen setzt zu einem gewaltigen Sprung an und fliegt förmlich auf ihn zu. Der Alte versucht zu schreien, aber der Schrei bleibt ihm im Halse stecken, als der große Schatten ihn erreicht...

„Geil! Geil! Geil!“ Gasoline schwebt meterweit über dem Mondboden und treibt auf einen kleinen Mann zu, der wortlos zu ihr hinauf starrt. „Hey, alter Mann, aus dem Weg, he, ho, hu, ich bin eine fliegende Kuh... Wow, ist das geil!“ Wieder auf dem Boden gelandet, dreht sie sich zum Raumschiff um. „Los, habt euch nicht so. Kommt her. Das macht echt Spaß!“

Eine nach der anderen verlassen die Kühe die Raumfähre. Liesbeth zielstrebig, schon den Punkt im Auge, zu dem sie die Gruppe hinlotsen musste. Berta eher vorsichtig, so als prüfe sie bei jedem ihrer Schritte, inwieweit diese sich an die physikalischen Gesetze halten. Silke bewegt sich dicht hinter Berta, um ja kein Risiko einzugehen. Nur Arielle bleibt völlig verdattert auf der Landeklappe stehen. „Was soll das denn? Wo um alles in der Welt ist das Meer?“

„Die Meere hier sind trocken. Du kannst doch eh nicht schwimmen.“ Kuhlumbus gibt Arielle einen leichten Schubs, so dass sie sanft zu den anderen treibt. Dann marschiert er als letzter die Rampe herunter und geht auf den alten Mann zu. „Tut mir leid, dass ich vorher nicht bescheid gesagt habe. Aber es ist ein Notfall. Wir machen heute Subotnik auf dem Blümchengrundstück.“
„Subotnik?“
„Achso, das ist ein freiweilliger Arbeitseinsatz.“ Kuhlumbus grinste.
„Freiwillig?“ Der Mann im Mond schaute stirnrunzelnd zu den Kühen. „So so.“
„Na ja, ich brauchte nur sagen, dass wir auf den Mond fliegen, und schon waren alle Feuer und Flamme. Das mit dem Arbeiten bringt Liesbeth den Damen schon noch bei.“
„Wie du meinst. Aber schön, dass du mal wieder da bist, trotz allem Stress und so. Wir haben dich vermisst!“ Der alte Mann schlug dem Bären freundschaftlich auf die breite Schulter.
„Ich weiß, ich weiß... Ist das Blümchen eigentlich grad da?“
„Nein, sie war schon eine ganze Weile nicht hier. Ihr habt mich hier oben ziemlich allein gelassen. Der Mondmakler und seine Frau streiten sich schon darum, wer eure Grundstücke verhökern darf. Dabei hatte alles so schön angefangen. Ich dachte schon, endlich habe ich hier jemanden, mit dem ich meinen Mondwein teilen kann, mit dem es sich so richtig ablästern lässt über die bunte Kugel dahinten.“ Mit einer leichten Kopfbewegung deutete er an den Himmel, dorthin, wo groß und hell die Erdkugel am Firmament hing. „Aber dann...“

„Hiiiilfe!“
Der Alte und der Bär schauten erschrocken in die Richtung, aus der der Schrei kam.
„Hiiilfe! Gasoline stirbt!“
Die Kühe hatten sich um Gasoline geschart, die bewegungslos in ihrem unförmigen Raumanzug am Boden lag. Der Bär schwebte heran und beugte sich über die Kuh.
„Muss wohl das Methan sein.“ Silke drehte ihren Kopf. „Vielleicht stimmt was mit ihrem Helm nicht und sie erstickt jetzt in ihrem eigenen Gerülpse.“
„Halt die Klappe!“ Liesbeth schob Silke beiseite. „Können wir ihr nicht den Helm öffnen, irgendwie Luft reinlassen?“
„Luft auf dem Mond?“ Berta schüttelte den Kopf. „Luft gibt’s nicht auf dem Mond!“
„Aber klar doch!“ Der alte Mann trat in den Kreis, beugte sich zu Gasoline hinunter und schraubte ihren Helm ab. „Wenn ihr beim Mann im Mond zu Gast seid, gibt es Luft. Und ein paar andere Dinge auch. Ich weiß nicht, warum euch der Bär in die Raumanzüge gesteckt hat. Außerdem“, er schielte zu Kuhlumbus, „stört das doch beim Arbeiten.“

„Arbeiten? Ich denke das ist ein Ausflug.“ Silke blickte zu Liesbeth.
„Na, ein bisschen Bewegung kann nicht schaden. Ist ja eh alles viel leichter hier oben.“ Liesbeth sah in die Runde. „Unser Blümchen hat hier oben sein Wochenendgrundstück. Und da muss mal aufgeräumt werden. Also los!“
Die Kühe folgten Liesbeth zur Blümchenparzelle, auch wenn es so aussah, als würde die eine oder andere Bewegung doch nicht so leicht fallen, wie noch vor ein paar Minuten.

Aber schon bald entwickelte sich ein rege Emsigkeit auf dem Blümchengrundstück, Blumen wurden gegossen, natürlich mit Mondwasser, die Wege zum Nachbargrundstück vom Mondunkraut befreit, der Briefkasten entrostet und grün angestrichen, die Fenster geputzt und schließlich hängten die Kühe noch eine mitgebrachte Girlande auf, quer über der Tür.

Der Bär saß indessen neben dem Mann im Mond und schaute mit ihm an den schwarzen Himmel. Beide hielten ein Glas voll mit bestem Mondwein in der Hand und prosteten sich zu.
„Darauf, dass du wieder öfter bei mir hier auf dem Mond bist und dich dort auf der Erde nicht kaputt spielen lässt!“
„Und darauf, dass auch meine Nachbarin sich hier wieder wohl fühlt!“ Der Bär ließ sich den Wein auf der Zunge zergehen, während der alte Mann versonnen auf die ferne Erdkugel blickte. „Etwas zu wenig Grün auf dem Planeten, denkst du nicht?“
„Mag sein.“ Der Bär lächelte. „Aber auch das ändern wir gerade...“

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