Montag, 7. September 2009
Immer ich
Ich könnte mich schwarzärgern. Hochmotiviert im Zug sitzend, da ich mit meiner kleinen Tochter meinem Geburtstag entgegenfahre, trifft mich die Ahnung wie ein Blitz. Ich habe meine Bahncard vergessen. Ein Blick in die Brieftasche bestätigt meine Vorahnung - das entsprechende Fach ist leer. Eigentlich weiß ich auch, wo sie liegt, nämlich auf meinem Schreibtisch im Büro. Und das auch nur, weil ich zum Wochenende wieder im Büro war und bei der Gelegenheit ein paar Papiere sortiert habe. Damit alles seine Ordnung hat. Ha ha.

Der Schaffner kommt und schaut mich an, während ich mich ihm als quasi Schwarzfahrer förmlich vor die Füße werfe. Dann runzelt er die Stirn und beginnt per Fingertippen und Bildschirmanstarren einen ausführlichen Dialog mit dem DB-Rechenknecht. Was rauskommt ist ein ewig langer Streifen Papier, das Dokument meiner Verfehlung, mit Strafandrohung und Kontodaten für den fälligen Obolus. Na ja, muss ich die Woche mal meinen Dokumentenkoffer zur Bahn schleppen, dann brauch ich statt der 40 Euro wohl nur eine Bearbeitungsgebühr bezahlen, wie hoch die auch immer sein mag. Das wusste selbst der Schaffner nicht.

Und dann geht er weiter. Ohne meinem Gegenüber auch nur einen Blick zu zu werfen. In mir steigt die Wut hoch, während mein Gegenüber lustig losplappert. Er heiße Roland und spare eigentlich bei jeder Fahrt die Fahrkarte. Ab und an schaue der eine oder andere Schaffner schon etwas komisch in seine Richtung, aber er hätte noch nicht ein einziges Mal bezahlen müssen. Und wenn er das Glück habe, dass ihm gegenüber auch noch ein reuiger Sünder sitzt, der der Bahn echt Geld einbringt, dann käme er sowieso immer ungeschoren davon.



Ein Schwarzfahrer. Das letzte Mal ungeschoren ...

Mir reichts. Ich nehme meinen Fotoapparat und mache ein Foto von ihm. Er freut sich, weil er denkt, ich hätte ihn als Berühmtheit erkannt. Immerhin hätte er mal die Hauptrolle in einer Stephen-King-Adaption gespielt und entsprechende Interviews gegeben. Aber das interessiert mich nicht. Ich werde das Foto nächste Woche den Leuten von der Bahn übergeben, vielleicht komme ich glimpflich davon, wenn ich der Bahn eine neue Geldquelle erschließe.
Einen Schwarzfahrer.
Einen echten.

***

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Sonntag, 30. August 2009
Du Jan - ich Ulrich
Nee, nicht wirklich. Das ist jetzt nur ein Wortspiel, was ich hier unterbringen musste, wegen der Lustigkeit des Blogs, sagt dein Patenonkel. Ist ja schließlich sein Blog, also kann er den Kalauer haben ...
Du kannst mich also nennen wie du willst, später, wenn du mal richtig sprechen kannst. Ich wäre für Erik, toller Name für einen norwegischen Elch, aber eigentlich ist es mir egal.
Hauptsache nicht Olaf - der Name ist bei mir unten durch, seitdem dieser blöde Olaf (ein Schwedenelch, was denn sonst) mit meiner Schwester durchgebrannt ist. So ein Schnösel, wie konnte meine Schwester nur auf den hereinfallen. Er hatte vor ihr angegeben, er sei ein berühmtes Model, dessen Bild quasi an jeder Ecke zu sehen ist. Verschwiegen hat er ihr allerdings, dass er diese komischen Verkehrsschilder meint, die überall herumstehen und hier in Norwegen ziemlich sinnfrei vor uns Elchen warnen sollen. Da sind die Ziegen schlimmer, zumindest für die Autofahrer.
Und wenn ich mir den Elch auf dem Schild richtig ansehe, kann es gar nicht Olaf sein, der trägt nämlich eine Brille, der Olaf. Trotzdem ist Elke mit ihm losgezogen, naja, was soll man von einer Elchkuh auch anderes erwarten ...



Du, Jan - ungedopt und trotzdem satt und glücklich




Ich, Elch - weder Ulrich noch Olaf

Wenn ich in Berlin ankomme, mein lieber Jan, dann wird alles anders. Ich kann dir Geschichten erzählen, da wirst du mit deinen kleinen Ohren schlackern. Und wenn Mama und Papa mal nicht in der Nähe sind, gibt’s noch ein paar echte Männergespräche obendrauf. Hast du beispielsweise gewusst, dass die Elche eine Kreuzung aus Kuh und Bär sind? Na? Siehste mal, sowas erzählt dir zu Hause keiner, da muss erst son Kumpel wie ich aus Norwegen kommen. Übrigens, wär cool, wenn du mir ein schönes Bier kalt stellen lassen würdest. Das norwegische Bier ist genauso schlecht wie teuer. Und auch beim Essen schau‘n wir uns lieber mal bei dir um die Ecke um. Ich hab da schon was für uns gefunden … :o)



Ich lass uns schon mal den Stammtisch reservieren, hehe ...

Wenn du später richtig groß bist, können wir beide zünftig um die Häuser ziehen und ein paar Kühe aufreißen. Denn ich glaube, du hast es faustdick hinter den Ohren. Und wenn deine Mama da ein bissl was von übrig lässt, reicht es für uns beide. Aber bis dahin haben wir zwei noch eine Menge Spaß miteinander. Denn es gibt keinen Elch, der so viele Witze kennt wie ich. Zum Beispiel den vom Elch Olaf, der in der Polarnacht seine Brille verlor und dann eine Ziege ... ähm ... okay, der geht noch nicht. Naja, egal. Mir fällt da sicher noch was Schönes ein. Und wenn nicht, nun ja, dann wird es Zeit, dass du sprechen lernst ... :o)

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Freitag, 28. August 2009
Tierliebe
Kapitel 1

Heute morgen an der Haltestelle. Ich sehe auf dem alten Messeparkplatz gegenüber eine kleine Zeltstadt wachsen. Das tut sie schon seit Tagen. Aber heute früh hat man dann ein Schild angebracht, auf dem gut lesbar steht: „Große Reptilienausstellung“. Oha, zwei Wochen lang eine beachtliche Ansammlung hochgefährlicher Kreaturen in 100 Meter Entfernung zu meiner Haustür. Prima. Einmal nicht aufgepasst, und schwupps wird die WG um zwei, drei Mitbewohner größer, zumindest bis zum ersten Abendessen der neuen Kollegen ...
Ich lasse mir die keimende Unruhe nicht anmerken und lächle über die anzüglichen Witze der Mitwartenden an der Haltestelle. Ich weiß, dass am anderen Ende des Messegeländes ein Zirkus seine Vorstellungen gibt und schlage einen Standorttausch vor. Denn einen Elefanten sähe man rechtzeitig, wenn er die Straße in Richtung Haustür überquert. Und die 4 Stockwerke bis zu unserer Wohnung muss so ein Elefant auch erst mal schaffen. Alle lachen. Ich lächle souverän zurück.
Und dann verliere ich die Kontrolle über mich ...

Kapitel 2

... denn aus den Augenwinkeln sehe ich sie anfliegen:
Eine hinterhältige, gemeine und gemeingefährliche Wespe. In der für Wespen so typischen unbeirrbaren, sturen Art.
Also nach dem Motto, „hier will ich jetzt hin, und wenn dich das ärgert, will ich es um so mehr“.
Mir ist klar, dass ich jetzt nicht hektisch reagieren darf. Also mache ich ganz sanfte, wohl dosierte Bewegungen: innerhalb von Zehntelsekunden durchschneiden alle meine Arme und Hände in einer ausgeklügelten Choreografie die Luft (tja, Frau Cherrybite, hier lüftet sich also das Geheimnis um die Quelle meines legendären Händefuchtelns ... :o)). Parallel dazu mache ich ein paar genau einstudierte Schritte, um die Wespe zu verwirren und ihre Flugbahn umzulenken.
Klappt nicht. Die Mitwartenden sind verwirrt, die Wespe nicht. Sie fliegt mir gegen den Kopf. Irgendwie erwische ich sie mit der vorsichtig heransausenden Handkante und schlage dazu behutsam und kontrolliert mit meiner Tasche um mich. Aber sie verschwindet nicht. Stattdessen setzt sie sich auf den Rand meiner Brille und macht Anstalten, hinter das Brillenglas zu kriechen. In aller Ruhe reiße ich mir die Brille vom Kopf und wedle mal schlappe 400 Euro durch die Luft. Aber die Wespe sitzt nicht mehr auf der Brille. Sie sitzt jetzt über meinem Auge und streift mit ihrem Hinterteil ganz leicht meine Schläfe. Der ideale Platz, an dem man als Wespenallergiker seine persönliche Wespe sitzen haben sollte.
Dann sehe ich die Straßenbahn kommen, etwas verschwommen, weil ich die Brille immer noch in die Luft halte. Und plötzlich ist sie weg, die Wespe. Mit ganz langsamen Schritten springe ich in die Bahn und hoffe, das Vieh bleibt draußen. Tut es auch.
Und ich bin wieder einmal froh, dass ich mich an die guten Ratschläge gehalten habe. Nicht in Panik verfallen. Klar.

Epilog

Ich mag Tiere. Echt.

***

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Samstag, 8. August 2009
Eis für alle
Draußen gefühlte 52,7 Grad, drin der Tischventilator, dessen Flügel müde durch die trockene Büroluft kreisen. Im Kopf eisige Gedanken, tiefgefrorene Ambivalenzen, kaltgestellte Bilder.
Und der obligatorische Hitzereim. Verbunden mit Grüßen an alle, die schon befürchteten, hier im Blog passiert nun gar nichts mehr. :o)

Kaltgemacht

Er holte Eis für ihren Nabel
und machte es verkehrt.
Er nahm statt Löffel eine Gabel -
die Stimmung war zerstört.

Der Teppich nass, der Nabel warm,
Gefühle abgekühlt.
Sie schälte sich aus seinem Arm,
die Chance - sie war verspielt.

Es knallt die Tür, ein kalter Hauch
strich durch das stille Zimmer.
Die Gabel steckt in seinem Bauch
und bleibt wohl dort, für immer.

Viel Mann, viel Frau, viel nackte Haut
und dann die große Wende:
Das Eis, das zwischen ihnen taut,
ist manchmal auch das Ende.

***

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Samstag, 20. Dezember 2008
Flaschenkinder
Deutschland säuft.
Wir sind nicht nur Papst, gefühlter Fußball- und nicht gefühlter Exportweltmeister, nein, wir hängen auch an der Flasche ...

Inzwischen kennen die Deutschen kaum noch Hemmungen, die Flaschen in Extragröße und für alle sichtbar mit sich herumzuschleppen und sie bei jeder passenden und nicht passenden Gelegenheit zum Munde zu führen. Egal ob Bionade oder Coca Cola, ob Wasser aus der Leitung oder aus dem Supermarkt, ob Schwarzer, Grüner oder gelber Tee, Hauptsache es fließt und befeuchtet die ausgedörrten Stellen in einem drin. Und das müssen bei manchen ganze Wüsten sein, gemessen an den kurzen Zeiträumen, die der Deckel auf der Flasche bleibt.
Manche der ausgedörrten Schlucker schaffen es kaum noch, einen Satz zuende zu bringen, bevor sie schon wieder wie unter einem geheimnisvollen Zwang stehend nach ihrer Flasche greifen. Durch die viele Flüssigkeit ist ein flüssiges Kommunizieren nicht mehr möglich, sozusagen. Andere reden aus genau diesem Grund nur noch in abgehackten kurzen Sätzen - das ermöglicht eine Kommunikation wenigstens auf einem rudimentären Level, ohne gleich das Austrocknen des eigenen Körpers zu riskieren.
Wobei die Säufer immer öfter auf Gesprächspartner treffen, die ihrerseits auch schon an der Flasche hängen. Wenn man jetzt die Befeuchtungsabläufe miteinander synchronisiert kriegt, dann bekommt man sogar das eine oder andere vollständige Gespräch zustande. Immerhin.

Natürlich hat auch die Wirtschaft schon darauf reagiert. Ähnlich wie bei den Handyfächern findet man jetzt an Rucksäcken, Kinderwagen oder ähnlichen Transportmitteln ein eigenes Flaschenfach. Groß genug für die rettenden Liter, gut erreichbar für Notfälle. Bei den Kinderwagen muss man sich allerdings noch entscheiden, für welchen Notfall man eher vorsorgt, für ein vor Hunger schreiendes Kind oder den eigenen fallenden Flüssigkeitspegel. Nach dem akustischen Eindruck aus der letzten Zeit verschieben sich wohl selbst dort gerade die Prioritäten ...

Rätselhaft bleibt, wie es zu diesem ausgeprägten Suchtverhalten gekommen ist. Denn Sucht ist es allemal – man muss nur einmal beobachten, was abgeht, wenn die Flasche zu einem unerwarteten Zeitpunkt leer ist oder der Deckel klemmt oder so etwas in der Art.
Da scheinen solche Erklärungen plausibel, wie beispielsweise die, dass sich immer mehr Leute auf diese Weise das Rauchen abgewöhnen. Dagegen spricht allerdings das niedrige Alter eines großen Teils dieser Flüssigkeitsjunkies. Obwohl - das ist ja inzwischen auch kein Argument mehr.
Gewagtere Theorien verweisen darauf, dass zumindest in Deutschland das Aufkommen dieses Phänomens mit dem Kinostart von „Die Mumie“ zusammenfällt. Nun hat es sicher schon vorher ähnlich trockene, oder besser gesagt dehydrierte Filme gegeben, aber die heutige Jugend ist vielleicht empfänglicher für vermeintliche ernährunspädagogische Hinweise, wenn sie denn auf diesem Wege an sie herangetragen werden.

Die meisten Wissenschaftler halten es jedoch für wahrscheinlich, dass das neue Suchtverhalten wie vieles andere auch Vorbote und zugleich Folge der Klimakatastrophe ist. Möglicherweise dadurch, dass bestimmte mutationsbewirkte Verhaltensänderungen durch einen sich wandelnden gesellschaftlichen Kontext für die gesamte Population zum Ritual werden. Schick ist, was feucht macht. Wer trinkt, bleibt. Oder so. Sinnvoller Weise - wenn man denn den Befürwortern, ähm, den Vertretern der Klimakatastrophenvorhersage folgt.

Aber deren Gegner haben natürlich auch so ihre Theorien. Nach denen ist es zum Beispiel gar nicht ausgeschlossen, dass der Mensch – geschichtlich gesehen - nicht klimakatastrophal in die Wüste unterwegs ist, sonder eher evolutionsbiologisch zurück ins Meer.
Und da sorgt die Natur eben schon ein bissl vor. Immer mehr Feuchtigkeit um einen herum und auch in einem drin. Kommunizieren unter sich wandelnden Bedingungen, hin zur Hydrophonie. Bei den Walen geht das ja schließlich auch.
Interessant wäre sicherlich der Zeitpunkt, ab dem die neue Generation der Flaschenkinder die Flüssigkeit nicht nur in sich hineinschüttet sondern ihr auch den notwendigen Sauerstoff entnimmt.

Spätestens dann sollte man alarmiert sein.
Denn irgendwann als der Letzte da zu stehn, der noch ohne Kiemen herumläuft, wäre für ein künftiges Leben im Meer ziemlich blöd.
Oder?

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Freitag, 12. Dezember 2008
Morgen-rot*
*mit besten Grüßen an Morphine und an Cherrybite :o)

Necrophilie und Blutfetischismus seien auf dem Vormarsch, so eine halbwegs aktuelle Untersuchung (03/07) über Szenetrends unter deutschen Jugendlichen. Blutige Blutleere in düsterem Ambiente also, mag man sich vorstellen. Oder kieferorthopädische Gratwanderungen vom Dunkelwerden "Biss zum Morgengrauen".
Detailanweisungen zur „behutsamen Blutentnahme“ werden genüsslich vom Verfasser zitiert. Selbst wenn man den Verfasser kennt und den Duktus der Aussagen entsprechend herunterrechnet, bleibt genügend Grund zur Sorge um unseren offensichtlich blutdürstenden Nachwuchs.
So scheint es.
Kann aber auch alles ganz anders sein.

Man kann all dies beispielsweise als Vorboten eines rasanten Aufschwungs im Blutbankengeschäft deuten, quasi als Gegenstück zur gegenwärtigen Aushöhlung des internationalen Finanzsystems. (Wobei es mit dem Blick auf das Kreditunwesen schon eine interessante Frage wäre, was passiert, wenn man ein Vakuum nun noch weiter aushöhlt ...)
Möglicherweise also neue Geschäftsmodelle in rot und schwarz. Verträge nicht nur mit Blut besiegeln sondern auch in Blut bezahlen.
Vielleicht ist das alles unter dem düster-nebligen Deckmantel der Necrophilie inzwischen schon so weit gediehen, dass die OPEC sehr bald knietief im eigenen Öl steckenbleiben wird - nix mehr mit schwarzem Gold: Rot ist angesagt. Supertanker stellen ihre Frachten um und die hartgesottenen somalischen Piraten machen einen großen Bogen um die neuen Flüssiggut-Transporte, so als wäre Nosferatu der Steuermann auf jedem dieser Schiffe.


Haufenweise solcher Flaschen im heimischen Plastikmüll sollten zu denken geben ...

Für ein solches Szenario spräche auch, dass die schwarz-rote Szene beispielsweise unter solch verharmlosenden Labels wie „Gothic“ inzwischen nicht nur gut organisiert ist, sondern sich dort auch zunehmend ein Menschenschlag trifft, der sich gerade von dem der Banker deutlich unterscheidet. Aufgeweckte Romantik der Erdmöbelgemeinde statt kollektivem Büroschlaf der BWL-Cracks. Ein warmes Schwarz, das zugleich viel farbenfroher ist, als das nadelgestreifte Anthrazit der Finanzelite. Und alles, was wir so an der Oberfläche des gegenwärtigen Börsenspektakels zu sehen bekommen, ist eigentlich nichts anderes als das Vorspiel eines Machtwechsels. Die Korridore der Macht wandern aus den sterbenden Bürohochhäusern in die von schwarz-rotem Leben erfüllten Keller. Statt Neocons jetzt Necrophilia.
Statt trockenem Papier jetzt feuchte Erde.
Könnte doch sein.
Und wäre tatsächlich mal etwas ganz anderes.

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Mittwoch, 10. Dezember 2008
Abgeschossen
„Zweite Liga, nie mehr, nie meeeehrheeeerheeeer. Zweite Liga, nie mehr, nie mehr!“ Tausende Nürnberger Fußball-Fans skandierten Montag abend diesen melodischen Herzenswunsch. Und sie haben einen guten Grund für Ihre Zuversicht. Haben sie doch gerade ein Team deklassiert, dessen Fans das Gleiche grölen könnten. Nur eben als bittere Wahrheit, als bedrückendes Gefühl, das sich einstellt, sobald man Tabellenplatz und Spielergebnisse der eigenen Mannschaft vor Augen hat. Denn heraus aus der zweiten Liga kommt man eben auf zweierlei Wegen, und in zweierlei Richtung ...

Und das offensichtliche Vorhaben der Rostocker Hanseaten, den zweiten Weg zu gehen, wenn denn der erste nicht mehr greifbar scheint, bricht mir als Hansa-Fan das Herz.
Erspart mir aber möglicherweise ein Premiere-Abo. Wenigstens was.

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Samstag, 6. Dezember 2008
Bahn-frei
„Die Bahn geht an die Börse!“ Klar, muss sie ja. Denn Fahren geht nicht. Zumindest nicht mit der Bahn. Also muss sie gehen, an die Börse. Und so tun, als ob alle liefe, bei der Bahn. Was ja auch stimmt. Denn Fahren geht ja nicht ...

Wer die Strecke München-Berlin regelmäßig zu befahren hat, weiß wovon ich rede. Ersatzzughopping und Bahnsteigjumping als neue Extremsportarten - stehen, laufen, gehen statt fahren. Terminplanung einmal anders. Knüpfen sozialer Kontakte unter emotional interessanten Bedingungen und so.
Im Übrigen ist schon klar, warum es diese Strecke betrifft. Denn genau zwischen München und Berlin liegt Leipzig. Das Mekka aller Ersatzzüge. Alternativer Weihnachtsmarkt auf den Bahnsteigen. Und die Heimat von Verkehrsminister Tiefensee, Leipzigs Ex-Oberbürgermeister. Kein Wunder also, dass Mehdorn genau hier illustriert, was es im Detail heißt, dass die Bahn auf gutem Wege an die Börse ist. Zumal ihm der Weihnachtsbonus gestrichen wurde, von Tiefensee, mehr oder weniger.

Aber gut, ich wollte eigentlich nicht mehr so oft von der Bahn schreiben. Also lassen wir es laufen. Und lassen Mehdorn gehen, an die Börse. Und fahren fort. Nur nicht mit der Bahn ...

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Sonntag, 31. August 2008
Ja,
ich war im Urlaub. Ja, ich hab auch wieder ein paar Fotos gemacht, mit den üblichen Verdächtigen. :o)
Und nein, ich habe es noch nicht geschafft, es für eine ansprechende Blogverwurschtelung zurecht zu schnippeln.
Kommt noch, versprochen!

Statt dessen diese Tage Bürokram auch zu Hause
(neuestes Verlagskind: INFAMILY, Rest bei Google... :o) ).
Und noch etwas, was ich mir im Urlaub beim Erleiden der olympischen Frau Maischberger fest vorgenommen hatte: dem momentan wieder eskalierenden kalten Krieg hinter die Kulissen zu schauen. Bin ja schließlich gelernter Politikwissenschaftler. Und was ich die Tage für den besseren Durchblick mal wieder auffrischend zusammen getragen habe - die Tagespolitik gab ja genug davon her - lässt es mir kalt den Rücken herunterlaufen. Zu haarsträubend ernst, als es hier mit Plüschtieren zu persiflieren.
Obwohl...

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Mittwoch, 25. Juni 2008
Verschnupft
Wenn mir momentan jemand sagt, ich soll mir gefälligst an die eigene Nase fassen, reagiere ich etwas gereizt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ich habe die Nase voll. Voller Antikörper und all den Dingen, die Körper und Antikörper in bester Gemeinschaftsarbeit für jemanden bereit halten, der unter „saisonaler allergischer Rhinitis“ leidet – oder „Heuschnupfen“, wie der gemeine und auch der nicht so gemeine Deutsche sagen. Pollenprobleme, und das ganz ohne Blümchen. Umgekehrt wäre es mir wesentlich lieber...

Nicht gut und ziemlich unpraktisch, der Heuschnupfen. Junge Väter werden in diesem Zustand wieder zu kleinen Kindern, zumindest in dem sie diese in Sachen Zellstoffverbrauch locker abhängen. Knallharten Geschäftsleuten kommen plötzlich die Tränen, rote Augen sind auf einmal nicht nur ein Problem billiger Digitalkameras. Windige Schleimer tragen ihre Hinterhältigkeit nun für alle sichtbar mit sich herum – Ergebnis vom Winde angewehter Schleimbildungsprovokateure sozusagen, schleimen as it's best.
Papierkörbe quellen über, der Geräuschpegel in der Straßenbahn steigt deutlich an.
Das herrliche Sommerwetter führt statt zu Genüssen aller Art nur noch zum immer wieder gleich ablaufenden Geniese. Die betroffenen Personen verziehen von einer auf die andere Sekunde ihr Gesicht, kneifen die Augen zusammen, pressen ihre Faust auf die Nasenwurzel, schütteln gereizt ihren Kopf. Hoffen, dass der Anfall vorüber geht. Und explodieren dann doch. Mit allem Drum und Dran, drin und draußen.

Es gibt neben den Unmengen an mehr oder weniger hilfreicher Medizin auch eine Reihe von Tipps, wie man die Unannehmlichkeiten ein wenig abmildern kann. So wird geraten, sich jeden Abend die Haare zu waschen, mit lauwarmem Wasser, ohne sich die Haare vorher zu bürsten. Da ich meine Haare seit Jahren nicht mehr bürsten muss, ist das leicht zu beherzigen. Der Effekt geht allerdings gegen Null, ebenfalls frisurbedingt. Na ja.
Seinen Urlaub sollte man natürlich weit weg von allen Pollenflugschneisen verbringen, auf dem offenen Meer (klar, zwischen Feuerquallen und giftigen Algen...) oder besser noch in der Wüste. Zumindest letzteres wäre überlegenswert.
Wer mit mir was rumzunölen hat, sollte mich also nicht auffordern, mir gefälligst an die eigene Nase zu fassen.
Sondern mich besser gleich in die Wüste schicken.
Danke!

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Sonntag, 18. Mai 2008
Unter(m) Strom
Noch eine kleine Erinnerung an den Urlaub...
Während man sich an den deutschen Frühstückstischen bildlesenderweise über die wieder angekündigten Strompreiserhöhungen aufregte, waren wir schon per pedes unterwegs und standen irgendwann auch unter den Adern, durch die das immer wertvollere Stromdingens floss. Noch waren weit und breit keine Sicherheitskräfte zu sehen. Auch Stacheldraht fehlte - obwohl, davon müssten vom G8-Gipfel ja noch tonnenweise hier im Norden herumliegen. Mal abwarten, ab wann der teure Strom dann unter besonderem Schutz stehen wird...
Wir hatten übrigens den Eindruck, dass da irgendwer schon am Abzapfen war, hoch oben in den Leitungen. Gut zu sehen, aber schlecht zu erkennen. Nur der gleißende Stromball an der Abzapfstelle war deutlich wahrzunehmen. Na ja, bald werden die Stromschäubles auch diesem Frevel ein Ende bereiten...



Und noch was, der sogenannte gelbe Strom hat nichts mit China zu tun - wie man in der gegenwärtigen politischen Mainstream-Aufregung vermuten könnte. :o) Seinen Namen hat er einfach von der Stelle, an der er entspringt... :o)



...
PS: Viele herzliche Grüße übrigens an die zwei Energiewesen, die grad die Schlüssel zu meiner Wohnung durch die Welt tragen, nach Düsseldorf und Tamera... Habe eure Ankunftsgrüße bekommen. Man sieht sich, in welcher Erscheinungsform auch immer...:o)

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Dienstag, 13. Mai 2008
Schaafe Bilder...
Sieben Tage Urlaub an der Küste. Kein Dienst, kein Stress, kein gar nichts. Ein bissl Plüsch höchstens, wie immer im Urlaub, siehe unten... :o)




„Ich war niemals nich das schwarze Schaf der Familie, never ever...!“ Roland schnaufte und blickte wütend zu Arielle. „Und wenn’s so gewesen wäre, wär’s auch okay. Lieber ein klares Schwarz, als so ein fuckin’ unehrliches Schwarz-Weiß, yeah!“



Arielle zuckte mit den Schultern. „Ihr Kerle seid immer so festgelegt, egal, ob die Richtung stimmt oder nicht. Das funktioniert vielleicht in Hollywood, aber nicht in Mecklenburg-Vorpommern, und schon gar nicht hier auf der Halbinsel.“
„Bullshit! That’s exactly what I say... –Halbinsel-... also entweder Insel oder nicht! –Halbinsel- – ist keine klare Ansage, keine klare Richtung, das ist einfach nur, ähm, schwarz-weiß gestreift, yeah...“
„Hier gibt’s kein Bullshit, jedenfalls so lange du dich beherrscht. Hier gibt’s nur Schafskacke, und die ist gleich am Dampfen, wenn du nicht endlich rauskriegst, wie wir zur Bootsanlegestelle kommen! Also reiß deine Cowboy-Seele zusammen und frag’ die schwarzen Kollegen mal nach dem Weg!“
Roland stapfte zu den Schafen, die ihm am nächsten standen, aber eine wirkliche Kommunikation kam nicht zustande. Man guckte sich blöde an, jeder machte die Laute, die er am besten beherrschte und die Schafe beschlossen dann, sich lieber aus dem Staub zu machen.





"Welcher Weg? Ham wir nich, gibt keinen, kommt auch keiner rein... Bäh!"

Roland grummelte. Er hatte Arielle vor Stunden klargemacht, dass die Kerle im Vergleich zu ihren weiblichen Mitläuferinnen quasi lebende Navigationssysteme waren, immer und überall. Aber statt auf dem kürzesten Weg zum Ziel zu marschieren, kurvten sie jetzt schon stundenlang durch die herrliche Natur, die um so mehr an Herrlichkeit verlor, je häufiger man an den gleichen Stellen vorbeikam. Arielle wurde immer zickiger, je öfter sie den selben Schafen begegneten, und Rolands Navigatoren-Image bätterte an jeder Kreuzung, an der er nicht weiter wusste, ein Stück mehr ab.



"Wasser? Hm, das muss hier irgendwo in der Nähe sein... Wir haben da so ein Gefühl. Bäh!"

Irgendwann trafen sie dann auf ein paar Schafe, die sich glücklicherweise erinnern konnten, an welcher Stelle des Strandes die Boote meistens anlegten.Und genau da konnte Käpt’n Bär die beiden schließlich auch einsammeln und nach Hause schippern.



"Was heißt hier Fotos für den Blog? Geh mir aus der Sonne, Knilch!"

Arielle genoss die Fahrt und ihren Sieg über den schwarzen Bullen.



"Oh bring uns sicher nach Hause, liebes Boot! Und lass mich diese Kuh drei Tage nicht sehen..."

Der wiederum schrie seinen Frust in den Fahrtwind und den Lärm des Bootsmotors.
Seine Navigationskünste wurden allerdings erst einmal nicht wieder strapaziert - der Bär fuhr mit GPS, sicherheitshalber...



Der Daumen ist im Bild, weil der Bär fürs Foto mal kurz vom Steuerrad weggezerrt werden musste... :o)

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