Montag, 24. Dezember 2007
Red Nose
Heiligabend. Wieder einmal kein Schnee. Der Blick geht fröstelnd zum Himmel, vielleicht auf der Suche nach ein wenig weihnachtlicher Romantik. Und richtig, mit ein bisschen Glück und herzoffenen Augen kann man ihn sehen, den Weihnachtsmann, wie er mit seiner Fuhre durch die Lüfte saust. Aber dann schaut man genauer hin und stutzt. Was ist das denn?? Das kann doch nicht wahr sein! …

Ein paar Wochen vorher: Weiterlesen

Allen Lesern wünsche ich mit dieser "kleinen" (Sorry, hatte keine Zeit zum Kürzen ...), heut entstandenen Geschichte ein wunderschönes und besinnliches Weihnachtsfest!
An die Freunde und Verwandten des Bären ganz liebe Grüße.
Grüße in den Norden nach Barth und Brandshagen, in den Süden nach Zella, Ilmenau und Chemnitz und in den noch südlicheren Süden. :o)
Wir lesen und sehen uns! :o)

Und jetzt geht der Bär erst mal feiern. :o)

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Dienstag, 4. Dezember 2007
Melancholisch-Metaphorisches
Tagebucheintrag:
„Das Licht brennt. Und es treibt an, macht Lächeln und Glauben. Denn es ist nicht einfach nur irgendein Licht, es ist ein Feuer. Ein Feuer, das all das erleuchtet, was es erreicht, und all das verbrennt, was ihm zu nahe kommt. Aber wo ist die Grenze? Wo ist der Punkt, an dem man zwar glaubt, es sei schön hell und schön warm. Und man erkennt viel zu spät, dass man schon Feuer gefangen hat. Nicht mehr nur im übertragenen, romantisch-euphorischen Sinn. Sondern im wortwörtlichen Sinn. Denn was brennt, verbrennt auch. Löst sich auf. Ist nicht mehr.
Und wenn da nichts ist, was durch das Feuer neu geboren wird, bleibt nur dieses graue Zeugs, bleiben nur diese indifferenten kleinen leichten Krümel, die Asche …“

Morgens.
Sich mühsam durch das Wintersturmdunkel kämpfendes Morgenlicht.
Er nimmt den ausnahmsweise mal wieder gefüllten Aschenbecher und schüttet ihn in den kalten Dezemberwind. Dann geht er ins Bad, sich für den neuen Tag zurecht duschen, das Gestern abspülen, die Reste der Glut mit kaltem Wasser auslöschen.
Und er lächelt.
Aber anders, als noch gestern Abend …

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Donnerstag, 8. November 2007
Herbst auf der Insel - 2: Weiß
(So liebe Kinder. Bevor ihr mir jetzt wieder dauernd dazwischenquatscht, machen wir es dieses Mal anders! Holt eure Diktathefte raus und schreibt mit! Nein Lisa, das ist keine Schikane, das wird auch deine Mutter mir glauben! Also Ruhe jetzt und konzentriert euch gefälligst!)

Das größte Stück Kreide, das der kleine Picasso in seinem Leben je gesehen hatte, ist eigentlich gar keins. Sondern ein großer Felsen, ein Kreidefelsen.


"Hey, haufenweiße Weißheit hinter mir! He he ..."

Aber egal - was dem Revolvermann seine schwarze Kohle auf der Lokomotive, ist für Picasso die weiße Kreide. Hier kennt er sich aus, hier passt er hin und hier kommt er her, irgendwie.


"Tja, aus so einem weißen Kreide-Ei bin ich mal geschlüpft. Fast so klein, wie dein oller Keks. Und fast genau so hart."

In der Gesellschaft von kleinen weißen Geistern mit kreidebleichen Gesichtern und kreideweichen Stimmen. Kreide, die Geschichte leichter geschrieben hat, als der Steinmeißel. Und auch Märchen - Kreide als notwendige Vorspeise zu leckerem Ziegenfleisch,
zum Beispiel.
Hier auf der Insel reicht das Picasso-Weiß vom Boden bis in den Himmel. Fast jedenfalls. Fast bis in den Himmel. Und auch nur fast weiß. Denn irgendwie machten die Kreidefelsen einen nicht ganz so leuchtend weißen Eindruck, wie die Kreidestücke, mit denen die Kinder die Häuserwände bemalen können.
Bis sie dann im Graffity-Alter sind,
die Kinder.
Und da man die Felsen ja nicht in die Waschmaschine stecken kann, wie Picasso – das sieht immer so cool aus, wenn er am Bullauge der Waschmaschine so vor sich hinkreiselt – müsste man etwas anderes machen. Sie mit weißer Kreide bemalen, die Kreidefelsen, möglicherweise.


"Ein typischer Bungee-Jumping-Baum."

Auf alten Bildern sahen die Felsen noch ein wenig weißer aus, bei Caspar David Friedrich vor allem. Allerdings mag das daran gelegen haben, dass er nicht mit Kreide gemalt hat, sondern mit vielen schönen Farben. Und einem tollen Weiß. Mag auch sein, dass die Felsen nun schon wieder ein ziemliches Stück älter geworden sind und sich deshalb alles ganz langsam in ein ehrwürdiges Grau verwandelt.
Nicht einmal wenn es regnet, wird es hier wirklich sauber. Sondern dann wird das alles auch noch ziemlich glitschig - schmierig wie ein Brillenglas, das in die Sahnesoße gefallen ist, oder so. Und dann kann das Klettern ziemlich gefährlich sein. Nicht wegen der beschmierten Brille, sondern wegen der glitschigen Kreide. Die wird dann zu einer Art Knete. Was zumindest den Finanzminister freuen wird – es klingt immerhin besser, von der Knete förmlich verschüttet zu werden, als tief in der Kreide zu stecken. Na ja.


"Was guckt Ihr denn so komisch? Los, kommt klettern!"

Die Kreide wird bei Nässe auch ganz schön klebrig. Allerdings bleibt immer nur soviel an einem kleben, dass man hinterher Mühe hat, es wieder abzubekommen. Um einen kompletten Menschen am Felsen zu halten, reicht es aber nicht aus. Jedenfalls ließ Picasso das Klettern bleiben und hat sich statt dessen die tausende Stufen zum Strand herunter tragen lassen.
Am Strand tobte der ewige Kampf zwischen Meer und Land. In diesem Fall wird er langfristig gesehen wohl eher zugunsten des Meeres ausfallen. Schade um die Kreide.


"Ha, ich bin unsichtbar!"

Aber zumindest war noch genug von der gelbgrauen Schmiere da, mit der Picasso sich so richtig einsauen konnte. So ist das eben, wenn man sich den Dreck selbst ankreidet. Da heißt es dann: ab in die Waschmaschine Picasso!

(So, fertig werden! Lisa sammelt jetzt die Hefte ein. Nein, auch das ist keine Schikane. Halt jetzt einfach die Klappe!)

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Dienstag, 30. Oktober 2007
Herbst auf der Insel - 1: Schwarz
Und wieder ein paar Tage weit weg, dorthin, wo der Kuhlumbusbär seine Wurzeln hat. Wo alles was er tut seinen Maßstab findet. Und er seine Ruhe, ein paar Tage wenigstens...
Im Gepäck waren die Helden dieses Blogs. So gibt es - wenn schon keine tiefschürfenden Philosophien - wenigstens ein paar geblogte Impressionen. Kurz und schmerzlos. Und kinderfreundlich (wir testen das mal), weil viele schöne Plüschtierbilder.
Heute Teil 1, in Schwarz, also ein bissl was von Roland, der Revolverkuh, oh, sorry, dem Revolverbullen, yeah ... :o).


...
„Hey, hier gibt es nur einen schwarzen Roland. Und das bist nicht du!“ Das Pferd schüttelte noch einmal wiehernd seinen Kopf und trabte in den Schatten.


"Yeah, lass uns echt dreckige Fotos machen! ... Sollte bei dem Schmutz auf der Linse kein Problem sein."

Roland drehte sich um. „Hör zu, du Mutantenpferd!

(Liebe Kinder! So etwas sagt man zwar nicht, nicht mal zu Pferden, aber da es eine Anspielung auf die Geschichte von Stephen King ist, lassen wir das jetzt hier stehen.)

Ich war schon Roland, als deine Eltern und Großeltern noch gar nicht auf der Welt waren! Ich habe in meinem Leben schon mehr Pferde geritten, als du Strohhalme gekaut! Yeah…“
Mißmutig sprang er vom Zaun und ging durch das Gras zum kleinen Häuschen, das dicht an den Gleisen stand.

(Ja, Kinder, ihr habt recht. Roland ist ein Rasenlatscher. So etwas macht man nicht. Aber Roland darf das schon mal, er ist ja schließlich eine Kuh. … Ähm, richtig, Grit, ein Bulle. Was? Welcher Unterschied? Ähm, das tut jetzt hier nichts zur Sache. Pssst, hört einfach nur zu!)

Roland trat durch die Tür in die Wartehalle und sah sich um. Der Zementfußboden war dunkelgrau und staubig, aber ansonsten machte alles einen aufgeräumten Eindruck. An den Wänden hingen verschiedene Plakate, ein wenig vergilbt, aber noch nicht abgerissen. Ungewöhnlich für die Welt, in der er sich grad befand. So, als sei das alles hier nur eine Kulisse, wofür auch immer …

(Nein, Annekatrin, Kulisse ohne „h“. Das hat was mit dem Theater zu tun, dem mit der Bühne und so. Ja. Pssst jetzt!)

Und dann sah Roland den Kasten mit dem Fahrplan. Deutlich sichtbar stand über den Ankunfts- und Abfahrtzeiten „Rasender Roland“.


"Rasend? Nach genauem Zeitplan? Oh, very deutsch..."

Ha, hatte das blöde Pferd doch recht gehabt! Es gab einen Zug, der Roland hieß! Aber mit Zügen war das so eine Sache. Seit der Begegnung mit dem bösen Blaine, dem Monorail, hatte sich bei Roland ein gewisses Misstrauen gegenüber den Schienenfahrzeugen entwickelt. Aber wenn ein Zug jetzt „Roland“ hieß, dann war das ein Zeichen. Er konnte nicht einfach hier weggehen, ohne diesen Zug gesehen zu haben. Er schaute noch einmal auf den Fahrplan. Das traf sich gut, genau zur Mittagsstunde sollte der Zug kommen, nicht mehr lange hin. Roland trat auf den Bahnsteig und setzte sich neben das Gleis.


"Ist das kalt an meinem Hintern! Ein Foto noch, und dann ist gut..."

Er blinzelte in die Sonne. Golden und doch kalt strahlte sie auf den Herbsttag herunter. Keine Wolke schob sich davor, als ob die Sonne nichts von dem verpassen sollte, was da unten geschah.

(Nein Lisa, die Sonne ist nicht wirklich kalt, ich weiß. Aber manchmal ist es auch frostig, obwohl sie scheint. Und alle frieren. … Ja, gut, du nicht, aber wenn du deinen Mantel ausziehst frierst du auch. Na gut, auch deinen Pullover. Und die Handschuhe. Und die Mütze. .. Wieso fies? Ich hab doch nur gesagt, WENN. Nein, das würde ich nie tun, ... ähm, wieso deiner Mutter erzählen? Ich hab doch hier nur …, also, rein theoretisch… Jetzt ist aber gut! Hört einfach weiter zu!)

Während Roland die kalte Herbstluft einsog, schaute er zum Horizont. So weit er sehen konnte, bewegte sich nicht viel. Und schon gar kein Zug. Ihm kamen Zweifel – was wenn die Zeit auch hier aus den Fugen geraten war und er jetzt vergeblich auf den Zug warten würde?

(Was? Wieso Streik? Nein, das kommt in der Geschichte nicht vor. Was? Ähm, Roland wechselt zwar zwischen den Welten hin und her, er ist aber kein Pendler, das ist was anderes. Und nein, hier wird nicht gestreikt! In der Geschichte meine ich. Hier auch nicht! In der Schule meine ich. ... Schulstreik? Davon habe ich jetzt nichts gesagt. Was?? Deiner Mutter erzählen?? Lisa halt jetzt einfach deine Klappe! Okay?)

Roland trat zum Gleis. Er legte sich lang hin und hielt sein Ohr auf die Schiene, so, wie er es in alten Zeiten immer getan hatte, um die Mittweltbahn zu hören – lange bevor seine Freunde sie dann am Horizont auftauchen sahen.


"Wenn ich die Rostflecken aus dem Ohr nicht mehr rauskriege, könnt ihr was erleben, yeah ..."

Und auch dieses Mal hörte er etwas, ein leichtes, rhythmisches Summen, das immer näher zu kommen schien.

(Richtig Kinder, das macht man nicht. Ähm, nein, nicht weil es zu schmutzig ist! Es ist zu gefährlich! Was? Nein, wenn Roland hier beim Hören herunterfällt, ist es kein Hörsturz, Annekatrin, ein Hörsturz ist etwas anderes. … Ja, später, jetzt lasst mich einfach zu Ende erzählen. Bitte!)

Irgendetwas an diesem Summen kam Roland vertraut vor und klang doch fremd und unheimlich. Während sich Roland mit geschlossenen Augen auf das Geräusch konzentrierte, wurde es rings um ihn herum zunehmend dunkler. Da war tatsächlich eine Wolke aufgetaucht, dachte Roland noch, als urplötzlich ein riesiger schwarzer Schatten auf ihn fiel und das Summen in ein ohrenbetäubendes Zischen und Quietschen überging …


"Wow, schön laut. Und schön schwarz! Yar ..."

( Hey, Holger, wie kannst du Detlef nur so erschrecken! Da kann doch sonst was bei passieren! Setz dich gefälligst wieder hin! Lisa hör jetzt auf zu quängeln. Wie, ich schreie hier nur rum?? Deiner Mutter erzählen?? Pah, dann mach es doch! Und ich geh jetzt in die Pause…. Ob sich Roland gerettet hat? Weiß ich doch nicht! Dann müsst ihr das nächste Mal einfach nur zuhören und wir schaffen es auch mal bis zum Schluss der Geschichte. Und jetzt raus auf den Schulhof!!)

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Donnerstag, 4. Oktober 2007
Liebe Kinder!
Da hat doch jemand von Euch voller Hoffnung bei Google eingegeben:
"Arielle 2 jetzt gucken" >> hier
Und was passiert? Schon beim zweiten Link in der Liste landet ihr hier, im Kuhratorium. Nix mit Fernsehen oder DVD. Dabei hättet Ihr eigentlich gewarnt sein müssen. Denn schon Google zitiert unter dem Link weiter:
"Habt ihr das mitbekommen, wie oft Arielle jetzt auf dem Klo hockt."
(Da gings um kreativitätsförderndes Klopapier!)
Das klingt doch wirklich nicht nach eurer Seejungfrau, oder? :o)
Na ja, wie auch immer. Viel Spaß beim Weitersuchen. Und lasst euch nicht wieder, ähm, linken... ;o)

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Donnerstag, 27. September 2007
(Über)Fallende Nebel
Eben noch schien die Sonne. Etwas kälter zwar, als die letzten Wochen, aber immerhin Sonne.
Jetzt sieht alles anders aus. Als hätte - wie auf einer Drehbühne - jemand die komplette Kulisse gewechselt. Der Wind treibt einen aufdringlichen Nieselregen durch die Straßen. Natürlich ins Gesicht des durch die abgedunkelte Stadt stampfenden Bären. So, als könnte der Wind an jeder Straßenecke neu disponieren...
Über dem Stadtfluss liegt ein unruhiger, nasser Nebel. Wenn man genauer hinschaut, dann kann man in diesem grauen Wabern einzelne Formen erkennen. Nebelwesen, die wohl nur darauf warten, dass es noch dunkler wird, dass eine der Straßenlampen wie zufällig erlischt. Oder dass man zu lange in diesen unheimlichen Nebel starrt - und damit beginnt, selbst ein Teil des Nebels zu werden...

Momente, in denen der Bär Zweierlei denkt.
Es wird Herbst.
Und.
Manchmal wäre es gar nicht so verkehrt, eine Fledermaus zu sein... Jawoll!

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Freitag, 14. September 2007
Aufsteigende Hitze
Und wieder mal im Zug.
Aber etwas ist anders. Ich hatte das Grauen, das die Bahn jedes Jahr im Herbst/Winter-Angebot hat, schon fast vergessen. Das Zugpersonal jedoch hat offenbar auf den Tag, wahrscheinlicher sogar auf die Stunde gewartet, an dem es sich wieder in vollen Zügen an der Klimakatastrophe beteiligen kann.
„Heizung freigegeben!“ mag die Mehdornsche Anweisung lauten.
Und dann geht es los. Der Komplex aus Reise-Viren-Zucht und Sauna-Ersatzangebot wird gestartet, dem Schmelzpunkt der ersten Kunststoffe gefährlich nahe gekommen. Die Apfelschorle wird auf Kaffeetemperatur gebracht, der Notebooklüfter kühlt die Umgebung statt des durchaus heißen Rechners. Die gefühlte Dreistelligkeit der Raumtemperatur hat so nach und nach fatale Auswirkungen auf die eine oder andere Körperfunktion.
Und man wartet vergeblich auf die Durchsage: „Werte Fahrtgäste. Im Wagen 27 ist auf Grund eines technischen Defektes die Heizung ausgefallen. Wir bitten dies zu entschuldigen!“ ...
Apropos Körperfunktionen. Irgendwie funktioniert das Texten nicht mehr so richtig. Kurz vor der Gerinnungstemperatur meines kreativen Eiweißes fange ich zu meinem eigenen Entsetzen an, in Reimen zu schreiben, im Rhythmus der Zugfahrt, im Gleichklang zum Ticken des Thermostaten.
Thema? Na was schon ... :o)

Thermostatisch

Die Bahn fängt wieder an zu heizen
und in den Wagen wird es richtig warm.
Die Reiseviren legen los, den Halz zu reizen,
der Schweiß läuft über Hals und Arm.

Die Müdigkeit ist ständiger Begleiter,
die Luft ist trocken, staubig, schwer und heiß.
Die Augen schließen sich, mein Mund verzieht sich heiter:
Ich träum’ von einer großen Kuh – aus Eis.

Der Schaffner kommt und macht dezenten Krach.
Die Eiskuh wird zu einem kleinen See.
Die Augen gehen auf und ich bin richtig wach,
und durchgeweicht, vom Scheitel bis zum Zeh.

Der Schaffner schaut mich an und lächelt.
„Da hat der Regen aber zugeschlagen!“
Er sieht nicht meine Zunge, wie sie hechelt.
Und er geht: „Ich heize mal den Wagen!“ ...

Natürlich hab’ ich maßlos übertrieben.
Die Heizung ist noch ziemlich moderat.
Ich wär auch gerne noch im Zug geblieben.
Brauch’ nur ein Bier, ein kühles, und ein Bad ...

:o)



Hatten wir schon mal, passt aber grad so gut... :o)

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Sonntag, 26. August 2007
Urlaub in Schwarz
Berlin, den 20.08.2007
Da war der Bär doch tatsächlich in Urlaub gewesen. Bis heute. Weit weg. Dorthin, wo sich Lachs und Makrele Gute Nacht sagen. Zumindest diejenigen, die von den deutschen Angeltouristen noch im Wasser gelassen worden sind.
Sicher, zehn Tage Urlaub sind nicht die Welt. Aber wenn man weiß, wohin man muss, um richtig abzuschalten, sind es schon wieder eine ganze Menge.
Zumindest hat der Bär endlich mal wieder den Kopf frei bekommen, weit weg von der NEMO (die neue gibt’s grad in gewohnter Qualität am Zeitungskiosk...) und anderen Schreibtischstapeln.
Ein herrlicher Urlaub mit der Bärenurfamilie, also angeln, essen, schlafen, essen, Boot fahren, essen, Landschaft gucken, essen, von der Terrasse aus aufs Meer schauen, essen, träumen, essen, in Familie lachend Bretter vollspielen, essen, fotografieren, essen, lesen, essen.
Und wieder angeln.
Und essen natürlich.

Ach so, zum Schreiben war natürlich auch etwas Zeit, seit langem endlich wieder etwas Nicht-Dienstliches. Mit Kühen und so. Hat ja letztes Jahr auch geklappt... :o)
(Um ein Haar wäre die Geschichte nicht rechtzeitig fertig geworden. Aber die Bahn muss wohl nachweisen, dass es auch ohne Streik der Lokführer funktioniert, in der Urlaubszeit massive Verspätungen zu erzeugen. Mit Sprüngen zwischen zwei Ansagen von 45 auf 60 Minuten Verspätung, und so. Einige Züge. Wie in alten Zeiten. Also sitze ich gerade auf dem Bahnsteig des Berliner Hauptbahnhofes und nutze die Rückfahrtverlängerung, um noch ein wenig auf der Tastatur herumzuhacken. Mal gucken, ob der Akku leer ist, bevor der Zug eintrifft. Da muss ich mir wohl einen frischeren Akku holen, wenn die Bahn so weiter macht.)
Entstanden ist ein kleiner Urlaubsbericht – ziemlich frei nach Motiven des großen Stephen King, genauer, seines Romanzyklus „Der dunkle Turm“. Immerhin wird mit King einer von des Bären Lieblingsautoren 60 Jahre alt. Und auch die Turm-Hörbücher bekommen in der NEMO eine richtig gute Bewertung. :o) Für den Bären damit Anlass genug, auch im Kuhratorium dem Meister zu huldigen. Natürlich in angemessener Kuhalität...
Also: Roland der Revolvermann in ganz spezieller Ausfertigung, auf der Suche nach neuen Gefährten. Und wo findet er sie dieses Mal? Natürlich in Norwegen...

Vorspiel: Schwarzer Kleiner hier
Teil 1: Erster Kontakt hier
Teil 2: Zweiter Anlauf hier
Teil 3: Tiefes Wasser hier
Teil 4: Romantische Revolverkuh hier
Teil 5: Verschlossene Türen hier
Teil 6: Giftige Blicke hier
Teil 7: Letzte Fähre hier
Nachtrag: Auszug aus einem Verhörprotokoll der norwegischen Polizei hier
Übrigens: Exklusiv-Interview mit Roland-Darsteller Roland hier

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Montag, 9. Juli 2007
Reise, Reise...
„Ich muss morgen in die Schweiz.“ So, wie der Bär es sagte, klang es wie: „Die sägen mir morgen ein Bein ab!“ Oder so.
Dass der Bär nicht gerne reiste, war den Kühen nicht neu. Trotzdem guckten sie misstrauisch. Denn immer, wenn der Bär seine Reisepläne mit den Kühen besprach, hieß das nichts Gutes.

Meistens war er dann ewig weg, und die Kühe konnten nur hoffen, dass seine Vertretung wenigstens halbwegs in der Lage war, für die Kühe zu sorgen. Nicht einfach, wenn immer wieder Neue kommen, die die Herde nicht kennen.
Das letzte Mal hat sich der junge Mann, der als Vertretung gearbeitet hatte, eine Zigarette angezündet - während er Gasoline freundschaftlich auf den Bauch klopfte. Drei Sekunden später stand er inmitten eines Feuerballs. Er hatte Glück im Unglück gehabt und büßte nur ein paar seiner Klamotten ein. Und seine blonden Locken.
Ein anderer hatte sich ein paar Minuten lang über Silkes Euter lustig gemacht, wahrscheinlich hatte er sich bis dahin nur um Hunde und Katzen gekümmert gehabt. Nachdem Liesbeth Silke die derbsten Sachen übersetzt hatte, begann auch für diesen jungen Mann ein Nachmittag, den er nicht so schnell wieder vergessen würde. Das letzte, was er noch mitbekam, war ein deftiger Stromschlag gewesen. Bevor es dunkel um ihn wurde, sah er ganz dicht über sich das hinterhältig grinsende Gesicht einer Kuh. Denn Rest musste er sich dann vom Arzt im Krankenhaus erzählen lassen.

Wie auch immer, die Kühe muhten, ein wenig unwillig, aber im Großen und Ganzen war es schon okay. Was sollten sie schon machen? Die Tage ohne den Bären würden schnell vorbeigehen, wie immer.
Der Bär nickte beruhigt und machte sich auf den Heimweg. Und mit ihm marschierte Arielle, auch wie immer, wenn der Bär in den Norden reiste. Und das wollte er diesmal auch, zumindest für ein paar Tage, wenn der Job in der Schweiz erledigt war.

Die Kühe schauten dem Bären hinterher, bis er nicht mehr zu sehen war. Dann hingen sie wieder ihren Gedanken nach: Während Bertha sich zu erinnern versuchte, wie die Löcher in den Schweizer Käse kamen, lächelte Silke hämisch vor sich hin. Sie hatte gehört, dass die Schweizer Kühe lila aussahen. Vielleicht färbt das ein wenig auf Arielle ab, und sie alle hätten dann nächste Woche was zu lachen. War ja sonst nix los hier, seit sich die Vertretungen des Bären nicht mehr auf die Weide trauten...

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Sonntag, 1. Juli 2007
Schleichfärbung...
Der Bär nimmt Arbeit mit nach Hause.
Sogar für Sonntags.
132 Seiten Selbstgemachtes.
Kein Wunder, dass Arielle meint, sie gehört aus dem Fenster geworfen, diese Arbeit. Montag früh kann der Bär sie ja wieder einsammeln...



Vorher nur noch schnell den coolen Bruce W. aus der NEMO ausschneiden und über das Kuhkörbchen hängen...
Hm, Weiber! :o)

Und wer genauer gucken will, womit der Bär jetzt auch noch sein Wochenende verbringt, bitte hier klicken:



Steckt ne Menge Herzblut drin, das des Bären und das der ganzen tollen Truppe.
Übrigens: Auf Seite 3 der Bär mit Schlübs! ;o)
Und trotz Stress und Risiko, es macht immer wieder Spaß, Kommerz hin oder her... :o)

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Versessen...
Ganz langsam begann es in der rechten Wade zu kribbeln. „Oh nein,“ dachte der Bär, „nicht jetzt!“ Er überlegte. Wenn er das rechte Bein weiter ausstreckte und erst dann das linke etwas anzog, dann wird der Verlust vielleicht nicht ganz so schlimm. Dann würden es nur ein paar Quadratzentimeter sein. Also schob er das Bein mit der zwickenden Wade langsam vorwärts, in eine Lücke, die erstaunlicherweise noch da war. Dann zog er das linke Bein an, und wie erwartet wurde der aufgegebene Raum sofort von einem anderen Bein in Beschlag genommen, von dem des neben ihm sitzenden Mannes. Der schien es gar nicht zu bemerken, wie sein Bein für ihn Raum gewann. Das machte das Bein wahrscheinlich schon ganz automatisch, ein Reflex. Der Bär schaute neidisch auf den jungen Mann, ganz sicher ein Profi in Sachen Sitzblockaden...

Nein nein. Der Bär war nicht bei den G8-Asphalt-Besetzern. Die oben beschriebene Szene spielte sich im Innenraum des Berliner Olympiastadions ab, während der Stunden, in denen der Bär und seine charmante Begleiterin auf den Beginn des Konzertes warteten. Dicht an den ersten Zaun herankommen, hieß eben rechtzeitig da zu sein. Und war man rechtzeitig da, hieß es, sich erst einmal hinzusetzen, so lange es noch den Platz dazu gab. Stehen würde man dann ja eh lange genug...

Ach so, es war übrigens ein Grönemeyer-Konzert. Herbert ist einer der ganz wenigen, die es schaffen, den Bären aus seiner Höhle heraus und auf ein Konzert zu locken. Die passende Begleitung natürlich vorausgesetzt. Und es war auch wieder richtig Klasse! Herbert machte Stimmung, der Bär rockte sich die Seele aus dem Leib und aus 64.000 Kehlen klangen die Texte mit.
"Und der Mensch heißt Mensch, weil er..." die Grönemeyer-Texte kennt, sie NICHT vergisst und NICHT verdrängt... :o)

Öhm, genau genommen waren es eigentlich nur 63.999 Kehlen. Denn der Bär muss sich hier mal als Textmuffel outen.
Aber Herbert wird es ihm verzeihen, ganz sicher... :o)




Plüschkuhlumbus und Plüschpicasso waren natürlich auch mit dabei, ganz ohne Ticket, deshalb zählen sie auch nicht in der Mitsingstatistik... :o)
Arielle wollte übrigens nicht mit. Wir sollen mal wieder fragen, wenn wir zu Evanescence gehen, sagt sie. Na ja...

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Dienstag, 12. Juni 2007
Aha...
Inzwischen findet man das Kuhratorium bei Google unter der einen oder anderen interessanten Frage.
Favoriten für heute:

Gedächtnisverlust bei Katzen?
und
Wie oft am Tag hat eine Kuh Stuhlgang?

Frag ich mich nur: Wenn Katzen ihr Gedächtnis verlieren, und glauben, sie wären eine Kuh, gehen sie dann trotzdem noch aufs Katzenklo?? Hm. Muss ich mal googlen... :o)

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Samstag, 9. Juni 2007
Geh Acht und so...
Da lag sie nun. Mitten auf der Wiese. Aus rotem und grünem Plastik. Eine Waffe, zweifellos. Silke ging vorsichtig um das Ding herum, bis der Lauf nicht mehr in ihre Richtung zeigte. Denn sie hatte gestern ganz genau gesehen, wie die komischen Menschen mit den großen roten Nasen aus diesem Plastikdings geschossen hatten…

Ganz plötzlich waren sie gestern aufgetaucht. Mitten durch das Maisfeld waren sie gekommen, junge Leute in bunten Kleidern, mit bunten Fahnen, Lieder singend und lachend. Um sie herum sprangen die Leute mit den roten Nasen, in noch bunteren Klamotten als die anderen, und sie schwenkten die bunten Gewehre und beschossen sich. Mit Wasser, wie Bertha hinterher behauptete. Aber Bertha behauptet viel, wenn der Tag lang ist. Sicher, sie war die klügste Kuh in der Herde. Aber selbst sie war überrascht von den komischen bunten Menschen, die ohne Vorwarnung aus dem Feld brachen und laut singend in Richtung Kuhweide marschierten. Kurz vor dem Zaun machten sie Halt und legten eine Pause ein. Immer mehr Menschen strömten aus dem Feld und sammelten sich neben dem Zaun. Auch die Kühe waren unauffällig in Richtung Zaun getrappelt, um mitzubekommen, was da los war. Liesbeth musste immer wieder den anderen Kühen übersetzen, was die Menschen sich erzählten.

„Jetzt reden sie grad über unseren Zaun.“ Liesbeth hatte nach diesen Worten die volle Aufmerksamkeit ihrer Freundinnen. Vor allem, weil ein paar der bunten Leute anfingen, sich am Zaun zu schaffen zu machen.
„Was wollen die von uns?“ Heidemarie rückte ängstlich an Liesbeth heran. „Kommen die uns holen?“
„Quatsch!“ Silke prustete. „So sehen keine Leute aus, die Kühe zum Schlachter bringen.“ Sie schielte zu Heidemarie. „Zumindest war das bis heute so. Aber man kann ja nicht wissen…“
„Seid mal ruhig! Jetzt reden sie grad darüber, ob sie unseren Zaun aufmachen…“
„Oh ja!“ Das Kälbchen Fridolin begann aufgeregt hin- und herzutrippeln. „Lasst uns einen Ausflug machen. Zaun auf! Zaun auf!“
„Sei still. Die verstehen dich sowieso nicht.“ Liesbeth sah besorgt zu der Stelle des Zaunes, an der zwei, drei dieser Leute versuchten, auf die Weide zu kommen. Alles diese komischen Typen mit den großen roten Nasen. Und mit Gewehren. Als sie auf der anderen Seite des Zaunes ankamen, begannen sie, hektisch über die Weide zu laufen und zu schießen. Liesbeth hielt die Luft an. Auch den anderen Kühen schlug das Herz bis zum Hals. Aber die Bunten scherten sich nicht um die Kühe sondern beschossen sich selbst. Mit Wasser. Und sie lachten dabei. Und rannten hin und her, zwischen den Kühen durch, von der einen Seite der Weide zu anderen. Bis dann einer von ihnen auf Gasolines morgendlicher Hinterlassenschaft ausrutsche, in hohem Bogen durch die Luft flog und mit einem lauten, schmatzenden Geräusch in Gasolines Scheiße landete…

Gasoline blickte ihre Freundinnen schuldbewusst an. „Sorry Mädels, ich weiß, ist ziemlich viel gewesen für früh am Morgen. Aber ihr wisst doch, meine Verdauung ist momentan besonders…“
„Ruhe!!“ Liesbeth hob den Kopf. „Das gibt’s doch nicht! … Bullen!! Die Menschen sagen, die Bullen kommen! Und ganz viele!!“
Die Worte durchzuckten die Kühe wie ein elektrischer Schlag.
„Die Bullen!!!...“ Heidemarie sah verklärt zum Horizont, dorthin, wo jetzt auch die ganzen Menschen hin zeigten. Aus der Richtung waren jetzt deutlich Geräusche zu hören. Vor allem Geräusche, wie sie die großen Autos machten, die die Kühe ab und an durch die Landschaft fahren sahen.
„Typisch!“ Silke drängte sich an den Zaun, um einen besseren Blick auf den Weg zu bekommen. „Wir Kühe müssen immer zum Stall laufen, und die Bullen werden gefahren, als wären sie was Besseres.“
„Sind sie doch auch! Vor allem der Johannes, der neue große…“ Heidemarie sah mit sehnsüchtigen Augen in die Richtung, aus der der Krach kam. Und dann erblickten die Kühe eine seltsame Prozession den Weg entlang kommen. Viele grün gekleidete Menschen. Eigentlich sahen sie aus, wie die Förster, die ab und an mal an der Weide vorbeikamen. Aber die heute waren irgendwie dicker angezogen, hatten Stöcker in der Hand, redeten nicht miteinander und machten allesamt ziemlich verkniffene Gesichter. Ein Ausdruck irgendwo zwischen Angst und Wut, soweit die Kühe das jedenfalls einschätzen konnten. Sie kamen ziemlich langsam näher, die dicken Förster. Und mitten unter ihnen, beziehungsweise sie alle überragend, ein großes Auto mit einer Kanone.
Die Kühe schauten verwirrt. Wo waren die Bullen? Wer waren die Grünen? Was überhaupt ging hier vor? Und warum, verdammt nochmal, machte niemand den Zaun auf?
Die bunten Menschen hatten sich inzwischen wieder in Bewegung gesetzt. Bunte Fahnen schwenkend, singend, wenn auch nicht so laut wie noch vorhin, zogen sie weiter. Begleitet von den dicken Förstern und deren Auto. Das mit der Kanone.
Da komme nur Wasser raus, hatte Bertha behauptet. Aber Bertha behauptet viel, wenn der Tag lang ist…

Heute erinnert nicht mehr viel an die Hektik von gestern. Außer dem Stück bunter Plastik, Plastik zum Schießen, mitten auf der Wiese. Silke schnupperte dran. Bertha hatte gemeint, der Wind der Geschichte sei über die Weide geweht, gestern. Aber alles was Silke roch, roch eher nach Gasoline. Vielleicht braucht‘s ein wenig Zeit, bis die Geschichte darunter zu riechen war. Sie würde es morgen noch einmal versuchen. Wär schade, wenn der Geschichtswind schon mal hier gewesen war, und man würde ihn verpassen, nur weil man Gasoline nicht riechen konnte…

Herzliche Grüße an die G8-Protestierkollegen, die auf ihrer Rückreise nach Österreich in unserer WG Pause machten. Und genauso herzliche und respektvolle G8-Grüße nach Barth… :o)

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